Volltext: Die orientalische Periode in der Geschichte des jüdischen Volkes (1 ; 1937)

Die griechische Herrschaft (332—140 vor der christlichen Ära) 
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ihren sieben Söhnen. Die Sage berichtet, daß Antiochus selbst die 
Jünglinge zu bewegen suchte, sich vom Judentum loszusagen und 
Schweinefleisch zu essen; doch einer der Brüder nach dem andern 
lehnte es ab, dem König zu willfahren. Darauf wurden sie in Gegen- 
wart ihrer Mutter in grausamster Weise gefoltert. Die heldenhafte 
Mutter sprach ihren Kindern Mut zu und ermahnte sie, alle Martern 
um des wahren Glaubens willen geduldig zu ertragen. Zuletzt erlitt 
auch Hanna, die den national-religiösen Idealen ihres Volkes ihre 
mütterlichen Gefühle zum Opfer gebracht hatte, den Märtyrertod. 
In den Tagen des Antiochus Epiphanes wurde im Judentum 
zuerst jener Geist des heroischen Märtyrertums lebendig, der später 
ganzen Epochen der jüdischen Geschichte das Gepräge geben sollte. 
Die Juden zeigten der Welt, daß nicht nur der Einzelne, sondern 
ein ganzes Volk mit vollem Bewußtsein für eine erhabene Idee zu 
leiden, ihr alle Güter dieser Welt zu opfern, ja, für sie das Leben 
hinzugeben vermag. Lieber das Leben einbüßen als den Sinn des 
Lebens — dieser Wahlspruch gab von nun ab Tausenden von Gläu 
bigen die Kraft, um ihrer religiösen, nationalen und politischen 
Ideale willen furchtlos den qualvollsten Tod zu erleiden. 
§29. Der Hasmonäer auf stand (i6y—160) 
Die passive Resistenz gegen die gewaltsame Hellenisierung sollte 
bald in einen aktiven Kampf übergehen. Das Maß der Leiden des 
jüdischen Volkes war übervoll. Während Jerusalem unter der 
Tyrannei der Griechen und ihrer Helfershelfer aus der Partei des 
Menelaus stöhnte und die Beamten des Antiochus seinen grausamen 
Befehlen überall Geltung zu verschaffen suchten, zogen sich die 
Patrioten, namentlich die »Chassidäer«, in Höhlen und Bergschluch 
ten zurück, um den Boden für eine allgemeine Erhebung vorzuberei 
ten. Heimlich schlichen sie sich in die nahegelegenen Städte und 
Dörfer und riefen das Volk mit flammenden Worten zum heiligen 
Kriege gegen seine Peiniger auf. So geriet ganz Judäa nach und nach 
in Erregung und wartete nur auf ein Zeichen zur befreienden Tat. 
Dieses Zeichen ging von dem zwischen Jerusalem und Jaffa 
gelegenen Städtchen Modein aus, dem Wohnsitz des hochbetagten 
Priesters Mattathias ben Jochanan aus dem Geschlechte der Hasmo 
näer und seiner fünf Söhne Jochanan, Simon, Juda, Jonathan und 
Eleaser. Eines Tages kamen syrische Beamte nach Modein, stellten
	        
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