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400 fl. aus dem landschaftlichen Bauschreiber- und Hofmeisterei-
Fonds.
Im Jahre 1773 setzten Graf Gottlieb von Klam und Achaz
Freiherr von Stiebar, beide Mitglieder der adeligen Theatral-Sozietät,
die Erbauung eines Redoutensaales seitens der Stände durch. Der
Beschluß datiert vom 28. April.
Jetzt griff man die Idee des Baumeisters Khrüner wieder auf
und die adelige Theatral-Sozietät richtete an die Stände folgendes
Gesuch: „Das Vergnügen, welches die gesittete Welt bei der von
allen unanständig und ungereimten Possen nunmehro gereinigten
Schaubühne empfindet, veranlaßte die Vergrößerung der theatrali¬
schen Societät, damit sich das Linzer Publikum noch fernerhin bei
dieser so edel als angenehmen Unterhaltung ergötzen möge. Zu¬
malen aber das dermalige bei dem Wasser situierte Theaterhaus bei
übler Witterung sehr unbequem und bei selben sich solche Bau¬
fälligkeiten an Tag legen, welche nicht anderst als durch sehr große
Unkosten herzustellen sein, zu geschweigen, daß der Baum desselben
so eingeschränkt, daß zur notwendigen Aufbehaltung der Garberobe
und übrigen Theatral-Requisiten kein hinlänglicher Baum vorhanden,
so erfordert die Notwendigkeit, daß auf einen anderen anständigen
Platz fürgedacht werde. Das Wohlgefallen, so Linz über den her¬
gestellten Redoutensaal bezeiget, wird sich sicher vermehren, wenn
an selben auch das Theatral-Gebäude an geschlossen
würde,1) zu welchem die Schießstatt und Fechtboden, dann die
nebenliegende Wiese außer der Einfahrt in den neuen Stadel genüg¬
samen Raum und Bequemlichkeit verschaffet.“
Die Gesuchsteller führen in ihrem Schreiben noch aus, daß
die Kosten nach dem Überschläge sich höchstens auf 9000 fl. be¬
liefen und daß man sich mit der bestimmten Erwartung schmeichle,
die Stände würden den Neubau auf ihrem Grunde bewilligen oder
wenigstens einen Beitrag zu einem solchen geben.
Die Stände bewilligten mit Beschluß vom 24. April 1774 die
Führung des Baues auf ständischem Grunde und 1000 fl. Diese
Summe reichte nicht hin und so suchte der begeisterte Theater¬
freund Baron Stiebar im folgenden Jahre den Verkauf des den
Ständen gehörigen Bergschlößchens um 3000 fl. durchzusetzen. Der
Nutznießer desselben, Graf Stanislaus Hohenfeld, gab seine Ein¬
willigung, da ein neues Theater, „zur Zierde der Stadt sowohl als
zu einer anständigen Unterhaltung der Noblesse und des Publici“
gereichen werde.
1) In Graz geschah das 1775.