Volltext: Der Krieg und die Seele [4]

Ofron der größten Erschütterung der Seele kann ich nicht 
reden. Ich habe selbst keine Schlacht gesehen. Es muß 
etwas Furchtbares sein, was die Seele erlebt beim ersten 
Stich auf den Feindesleib. Schießen trägt noch unpersön- 
lichere Art an sich. Die Kugel trägt in die Ferne. Der 
Gegner erscheint wie die Scheibe. Man sieht seine Miene 
nicht und nicht seine Augen. Aber das, was auch den 
Feinden nach allen Erzählungen den höchsten Schrecken ein- 
jagt, das Kommando: „Pflanzt das Seitengewehr auf!", 
das erst bringt das Entsetzliche. Der Mensch des 20.Jahr¬ 
hunderts sticht den anderen Menschen nieder. Das Geschick 
ist gnädig: man vergißt sich im Gemenge, man verliert sich 
selbst, man hat genug zu tun, sich der eigenen Kaut zu 
wehren. Aber wenn so blitzschnell der Gedanke durch das 
Kerz hindurchfährt, welche „Arbeit" man verrichtet, so er- 
schrickt man in die Tiefen. Der Schrecken, den Granaten 
und Schrapnells und selbst die „Brummer" verbreiten, ist 
ein anderer, nervöser und körperlicher Art, als der, wenn 
man Zeit hat, sich die Blutarbeit im einzelnen zu ver- 
gegenwärtigen und sich selbst mitten drin zu entdecken. 
Sicherlich hilft die Wut des Augenblicks über manches 
hinweg. Es ist auch jetzt nicht die Zeit, zu philosophieren 
über etwas, was jeglicher Philosophie spottet. Trotzdem 
bleibt die unvergleichlich harte Tatsache, daß man vieles 
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