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deutlich im eigentlichen Sinne des Worts, so kann ihr Urheber
keine Monade sein in dem Sinne, in dem er selbst diesen Begriff
versteht. Spinoza mochte uns Alles erklären, eines erklärte er
nicht: die Möglichkeit des Spinozismus! Er mußte diese Mög
lichkeit folgerichtig leugnen. Das Aehnliche gilt von Leibniz.
Er mag uns Alles erklären; eines erklärt er nicht: die Möglich
keit der Monadologie! Er muß sie folgerichtig leugnen. Er ist
nicht im Stande, aus seiner eigenen Philosophie heraus diese selbst
zu rechtfertigen. Ja Leibniz erklärt selbst, daß in der mensch
lichen Seele die Vorstellung des Ganzen nur möglich sei vermöge
der kleinen, bewußtlosen Vorstellungen; daß nicht im Geiste und
dessen bewußten Begriffen, sondern in der dunklen Seele un
ser Zusammenhang mit dem Universum, der wahre, ungetheilte,
volle Mikrokosmus bestehe*). Wenn nun die ungetheilte und
ganze Erkenntniß allein die wahre ist, wird man nicht schlie
ßen müssen, daß alle wahre menschliche Erkenntniß lediglich im
dunklen Wissen (Fühlen) enthalten sei, daß sie von den dunkeln
Seelenkräften erfüllt und ausgemacht, von dem spärlich erhellten
Verstände dagegen unmöglich erreicht werde?
2. Die Erkenntniß der fühlenden Seele.
In der That begegnen wir im Ausgange der deutschen Auf
klärung, dicht vor der Schwelle der kantischen Philosophie, die
sem Standpunkte, dargestellt durch die Gefühlsphilosophen
und Geniedenker, die das trübe und kalte Licht der Verstandes
erkenntniß auslöschen und alle wirkliche Einsicht dem dunkeln
Mikrokosmus, dem ungetheilten Gefühl, dem ungeschwächten Jn-
stincte der Menschennatur anheim geben wollen. Das ist nicht,
*) Siehe oben Cap. VIII. dieses Buchs. Nr. ÜI. 3.