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Uebrigens gab in Hannover diese Bekehrung der Prinzessin
von Wolfenbüttel den Anstoß zu einer antikatholischen Haltung,
die sich auch unserem Leibniz mittheilte. Die Theologen der Lan-
desunivcrsität Helmstädt waren, als es sich um den Uebertritt
der Prinzessin handelte, zu einem Gutachten aufgefordert wor
den und hatten sich für den Uebertritt erklärt. Das Gutachten
kam durch Jesuiten in die Oeffentlichkeit und galt für eine Ver
leugnung des Protestantismus, für ein Zeichen der Hinneigung
zur katholischen Kirche. Die lutherischen Theologen von Helm
städt brachten sich in den Verdacht zu katholisiren. Nirgends
wurde dieses Gutachten übler angesehen als in England. Es lag
nahe, schlimme Rückschlüsse auf das Haus Hannover zu machen,
unter dessen Mitregierung die Universität stand. Das Recht die
ses Hauses auf die Thronfolge in England gründete sich bekannt
lich auf die Ausschließung des Katholicismus. Um daher jedem
Verdachte, als ob man in Hannover katholisire, vorzubeugen,
wurden die Helmstädter Theologen von hier aus aufgefordert, ihr
Gutachten durch eine öffentliche Erklärung zu entkräften. Leib
niz selbst rieth ihnen, indem er auf jene politischen Beweggründe
hinwies, sich antikatholischzu äußern, damit sie gegen die rö
mische Kirche nicht zu lau erschienen und die Sache in England
nicht böses Blut mache.
n. Leibniz' Verhältniß zn den kirchlichen Zeitfragen
(Theodi'cee).
In der That, man kann sich nicht wundern, weßhalb alle
diese kirchlichen Friedensversuche, die in den letzten Decennien des
siebzehnten Jahrhunderts gemacht werden, die reunionistischen so-
gut wie die unionistischen, in Nichts ausgehen, wenn man be
denkt, wie es größtentheils fremde, der Religion gleichgültige,