Volltext: St. Severin zu Passau [4]

sie in Wirklichkeit auf der Innenseite als Flachbogen mit geringer Stichhöhe zutage. Chlingens⸗ 
perg verrät uns in seiner Innenaufnahme der Severinskirche (Bild 11) aber auch, daß die äußere 
Leibungsform tatsächlich etwas anders verlief als das innere Anschlußstück. In der Mitte beider 
Leibungen treffen Flach- und Rund- (oder Spitz ?)-bogen zusammen und es ist schade, daß der 
letztere nur noch mit einem kleinen Anteil im Bilde gesehen wird. Das Tor wurde im 19. Jahr⸗ 
hundert vermauert, nachdem es vorher lange Zeit als Haupteingang gedient hatte. 
An Fenstern in der südlichen Langhauswand enthält die Lithographie des Peter Ambrosi 
um 1825 (Bild 13) zunächst eine kleine Rundbogenöffnung in ziemlicher Höhe über der heutigen 
Orgelbühne und nahe der Südwestecke, sodann zwei größere gleichfalls hochsitzende Rundbogen— 
tenster östlich davon, schräg darunter ein paar rechteckige Fenster in liegender Form, zwei ge— 
zuppelte Rundbogenfenster, etwas kleiner und tiefer sitzend als die vorgenannten Oeffnungen 
derselben Art, sowie ein Rundfenster über dem Lauf der Turmtreppe. In der Chlingenspergischen 
Ansicht um 1840 6GBild 10) kehren diese Oeffnungen im wesentlichen wieder. Als Abweichung 
verzeichne ich den Ersatz des Rundbogenfensterpaares durch ein größeres Spitzbogenfenster und 
ein kleineres damals schon vermauertes Blindfenster über dem Südtor. Das Verhältnis sämtlicher 
Fenster ist mehr oder minder verändert. Vergleichen wir nun damit den tatsächlichen Wandbefund! 
Die südliche Langhausmauer (Bild 65) besteht gleich den übrigen aus Granit- und Gneis— 
brocken mit mehrfachen Ausbesserungen im Ziegelmauerwerk. In einer Höhe von rd. 1,20 m 
über der Oberkante des Granitblendsockels bemerkt man eine Schichtung größerer Steine. Sie 
beginnt im Osten an einer senkrechten Flicknaht') 2,16 m vor der Südostecke und läßt sich bis 
zur Leibung des Südtores verfolgen. Nachdem darüber ein wagrechter Riß zu sehen ist, kann 
diese Beobachtung wohl mit Instandsetzungsmaßnahmen in Zusammenhang gebracht werden. 
An den oberen Rundfenstern der Südseite zeigt sich, daß sämtliche Gewände mit Ausnahme 
kurzer Teilstücke aus Backstein gemauert sind und dem 19. Jahrhundert entstammen. Nur 
bereinzelt wurden Granitsteine mitvermauert, die wohl vom Ausbruch herrühren. Das gilt auch 
von dem ersten Fenster von West in derselben Reihe, welches aufgrund der früheren Abbildungen 
für alt angesehen werden konnte. Insbesondere läßt die Stadtansicht um 1825 (Bild 13), 
die eine kleine ganz ähnlich liegende Rundbogenöffnung aufweist, eine solche Vermutung zu. An— 
läßlich der Denkmäleraufnahme aber wurde schon an diesem westlichsten Fenster der Südseite fest— 
gestellt, daß das Gewände aus Ziegeln gemauert, also neu ist. 
Was die alten Ansichten dort wiedergeben, muß daher eher gleichgesetzt werden mit einem 
größeren Rundbogenfenster, welches einwenig unterhalb und östlich von dem Fenster des 19. Jahr— 
hunderts sitzt und von diesem in seinem Gewände überschnitten und z. T. zerstört wurde. Das 
mit Backstein ausgemauerte alte Fenster befindet sich 2,164 m über dem Emporenboden und 91 cim 
zstlich von der südwestlichen Langhausecke. Es hat gerade Leibung. Seine lichte Breite beträgt 
98 em, die Scheitelhöhe in der Ergänzungerd. 2,10 m. Brüstung und seitliche Gewände sind 
von Bruchstein, während der Rundbogen aus Ziegeln besteht. Die Zerstörung der Bogenform geht 
soweit, daß auch eine Ergänzung als Spitzbogen denkbar wäre. 
Die Zusetzung ging der Anlage des darüberstehenden Fensters aus der Wiederherstellungs— 
zeit voran. Das gilt noch mehr von einem benachbarten Fenster 55 cm weiter östlich, welches 
zusammen mit einem zweiten größeren daneben als das eine Fensterpaar der überlieferten Ab— 
bildungen angesprochen werden muß. Allerdings ist von der bewußten Zusammenfassung beider 
Oeffnungen im Sinne eines gemeinsamen Entwurfes nicht die Rede. Gemeinsam ist ihnen ledig— 
lich die Brüstungshöhe 4, 78 m über dem Kirchenboden und zum Teil die Ausbildung der Leibung. 
1) Es sieht nicht so aus, als ob die Mauer ursprünglich dort überhaupt einen Absatz gehabt hätte; vor 
allem fehlt beim anstoßenden Mauerwerk irgendein ordentlicher Verband. 
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