sie in Wirklichkeit auf der Innenseite als Flachbogen mit geringer Stichhöhe zutage. Chlingens⸗
perg verrät uns in seiner Innenaufnahme der Severinskirche (Bild 11) aber auch, daß die äußere
Leibungsform tatsächlich etwas anders verlief als das innere Anschlußstück. In der Mitte beider
Leibungen treffen Flach- und Rund- (oder Spitz ?)-bogen zusammen und es ist schade, daß der
letztere nur noch mit einem kleinen Anteil im Bilde gesehen wird. Das Tor wurde im 19. Jahr⸗
hundert vermauert, nachdem es vorher lange Zeit als Haupteingang gedient hatte.
An Fenstern in der südlichen Langhauswand enthält die Lithographie des Peter Ambrosi
um 1825 (Bild 13) zunächst eine kleine Rundbogenöffnung in ziemlicher Höhe über der heutigen
Orgelbühne und nahe der Südwestecke, sodann zwei größere gleichfalls hochsitzende Rundbogen—
tenster östlich davon, schräg darunter ein paar rechteckige Fenster in liegender Form, zwei ge—
zuppelte Rundbogenfenster, etwas kleiner und tiefer sitzend als die vorgenannten Oeffnungen
derselben Art, sowie ein Rundfenster über dem Lauf der Turmtreppe. In der Chlingenspergischen
Ansicht um 1840 6GBild 10) kehren diese Oeffnungen im wesentlichen wieder. Als Abweichung
verzeichne ich den Ersatz des Rundbogenfensterpaares durch ein größeres Spitzbogenfenster und
ein kleineres damals schon vermauertes Blindfenster über dem Südtor. Das Verhältnis sämtlicher
Fenster ist mehr oder minder verändert. Vergleichen wir nun damit den tatsächlichen Wandbefund!
Die südliche Langhausmauer (Bild 65) besteht gleich den übrigen aus Granit- und Gneis—
brocken mit mehrfachen Ausbesserungen im Ziegelmauerwerk. In einer Höhe von rd. 1,20 m
über der Oberkante des Granitblendsockels bemerkt man eine Schichtung größerer Steine. Sie
beginnt im Osten an einer senkrechten Flicknaht') 2,16 m vor der Südostecke und läßt sich bis
zur Leibung des Südtores verfolgen. Nachdem darüber ein wagrechter Riß zu sehen ist, kann
diese Beobachtung wohl mit Instandsetzungsmaßnahmen in Zusammenhang gebracht werden.
An den oberen Rundfenstern der Südseite zeigt sich, daß sämtliche Gewände mit Ausnahme
kurzer Teilstücke aus Backstein gemauert sind und dem 19. Jahrhundert entstammen. Nur
bereinzelt wurden Granitsteine mitvermauert, die wohl vom Ausbruch herrühren. Das gilt auch
von dem ersten Fenster von West in derselben Reihe, welches aufgrund der früheren Abbildungen
für alt angesehen werden konnte. Insbesondere läßt die Stadtansicht um 1825 (Bild 13),
die eine kleine ganz ähnlich liegende Rundbogenöffnung aufweist, eine solche Vermutung zu. An—
läßlich der Denkmäleraufnahme aber wurde schon an diesem westlichsten Fenster der Südseite fest—
gestellt, daß das Gewände aus Ziegeln gemauert, also neu ist.
Was die alten Ansichten dort wiedergeben, muß daher eher gleichgesetzt werden mit einem
größeren Rundbogenfenster, welches einwenig unterhalb und östlich von dem Fenster des 19. Jahr—
hunderts sitzt und von diesem in seinem Gewände überschnitten und z. T. zerstört wurde. Das
mit Backstein ausgemauerte alte Fenster befindet sich 2,164 m über dem Emporenboden und 91 cim
zstlich von der südwestlichen Langhausecke. Es hat gerade Leibung. Seine lichte Breite beträgt
98 em, die Scheitelhöhe in der Ergänzungerd. 2,10 m. Brüstung und seitliche Gewände sind
von Bruchstein, während der Rundbogen aus Ziegeln besteht. Die Zerstörung der Bogenform geht
soweit, daß auch eine Ergänzung als Spitzbogen denkbar wäre.
Die Zusetzung ging der Anlage des darüberstehenden Fensters aus der Wiederherstellungs—
zeit voran. Das gilt noch mehr von einem benachbarten Fenster 55 cm weiter östlich, welches
zusammen mit einem zweiten größeren daneben als das eine Fensterpaar der überlieferten Ab—
bildungen angesprochen werden muß. Allerdings ist von der bewußten Zusammenfassung beider
Oeffnungen im Sinne eines gemeinsamen Entwurfes nicht die Rede. Gemeinsam ist ihnen ledig—
lich die Brüstungshöhe 4, 78 m über dem Kirchenboden und zum Teil die Ausbildung der Leibung.
1) Es sieht nicht so aus, als ob die Mauer ursprünglich dort überhaupt einen Absatz gehabt hätte; vor
allem fehlt beim anstoßenden Mauerwerk irgendein ordentlicher Verband.
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