haben. Allein gegen England vorzugehen, wagte
Frankreich nicht, und so entschloß sich die Regie—
rung, nachzugeben und die Mission Marchands in
Faschoda nicht aufrechtzuerhalten.
Die Erbitterung in Frankreich war aufs höchste
gestiegen. Einzelne Politiker warfen die Frage
auf, ob es nicht geraten sei, die Revanche-⸗Idee
aufzugeben und sich mit Deutschland gegen Eng—
land zu verbünden. „Rache für Faschoda“ — war
die Losung. Aber der Zorn verrauchte, Frankreich
ließ sich die schwere Demütigung, die England ihm
hatte zuteil werden lassen, gefallen; es verzichtete
auf den Sudan, wie es wenige Jahre vorher schon
seine Vorherrschaft in Agypten zu Englands Gun—
sten aufgegeben hatte.
De Sudan, der bis zum Aufstand der Der—
Nwische ägyptische Provinz gewesen war,
wurde nunmehr vom Mutterlande losgetrennt
und unter eine eigene englisch-ägyptische Herr—
schaft gestellt. Schon äußerlich wurde diese da—
durch gekennzeichnet, daß auf den Regierungs—
gebäuden neben der ägyptischen auch die englische
Flagge gehißt wurde. An die Spitze der Verwal⸗
tung wurde ein englischer Beamter, der „General⸗
gouverneur des Sudan“ (Sirdar), gestellt, der
vom Chediw auf Empfehlung der britischen Regie—
rung ernannt werden soll und ohne deren Geneh⸗
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