Wiedereroberung des Sudan begonnen und er—
folgreich zu Ende geführt.
Die ägyptische Frage blieb aber nach wie vor
offen, und fester denn je hielt England seine Herr—
schaft über das Niltal aufrecht. Angesichts dieser
unabänderlichen Tatsache kam Frankreich allmäh—
lich zu der Einsicht, daß ein längerer Widerstand
gegen die englischen Ansprüche vergeblich sei und
seiner eigenen auswärtigen Politik nur Schaden
zufüge. Es bedurfte nur noch einer günstigen Ge—
legenheit, um eine diplomatische Aktion mit guter
Aussicht auf Erfolg einzuleiten.
Als im Jahre 1903 die Angelegenheiten Marokkos
in den Vordergrund traten, und Frankreich den
lebhaften Wunsch hatte, dort mit Umgehung der
deutschen Interessen seine Macht dauernd zu be—
festigen, bedurfte es des Wohlwollens Englands.
Was konnte jetzt natürlicher sein, als die britische
Unterstützung in Marokko gegen die französische
in Agypten einzutauschen? Zu Anfang Juli 1903
begannen die Bemühungen König Eduards VII.
und des französischen Ministers des Auswärtigen
Delcasse, eine Einigung in diesen kolonialen Dingen
zu erzielen. „Dort, wo das Interesse Frankreichs
in einer Frage unbestritten überwiegend war,
sollten die britischen Ansprüche zurücktreten, und
dort, wo Englands Interesse offenbar als das Aus—
schlaggebende erschien, hatte Frankreich ein Opfer
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