Volltext: Vom Kriegsausbruch bis zum Ausgang der Schlacht bei Limanowa-Lapanów ; 1. Das Kriegsjahr 1914 ; [Textbd.] ; (1. Das Kriegsjahr 1914 ; [Textbd.] ;)

Die Bedeutung der Schlacht bei Limanowa-Lapanów 
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Ermollis erschienen zu guter Stunde am Südflügel der nun unter dem 
unmittelbaren Befehle Mackensens stehenden deutschen 9. Armee. Sie be¬ 
währten sich als deren Flügelschutz, zogen starke Russenkräfte auf sich und 
deckten Preußisch-Schlesien. In den Tagen, in denen die ersten Staffeln 
Böhm-Ermollis nach Schlesien rollten, schrieb Falkenhayn in einer Denk¬ 
schrift die Sätze nieder: „Das öst.-ung. Heer hat schwer gelitten. Dessen¬ 
ungeachtet tut die dortige Heeresleitung alles, um die Operationen in 
bundesfreundlichem Sinne zu leiten. Sie hat drei Armeen auf das linke 
Weichselufer gezogen und in Galizien nur schwache Kräfte belassen. Es 
kommt das einer Aufopferung gleich.. i)." 
Im gleichen Sinne wie die 2. Armee nördlich von Czenstochau wirkten 
die 4. und die 1. Armee in der zweiten Hälfte November nördlich von 
Krakau. Sie fesselten erhebliche feindliche Kräfte. Mehr zu erreichen 
war den ausgebluteten Divisionen mit ihrer munitionsarmen Artillerie 
freilich versagt — trotz der Aufopferung des einzelnen Kämpfers. Ge¬ 
fangene Russenoffiziere haben damals den alpenländischen Regimentern 
des XIV. Korps das Zeugnis ausgestellt, daß sie an Todesverachtung selbst 
die Japaner überträfen. Dennoch reichten die Kräfte nicht hin, den Feind 
zu werfen, ehe sich die Rückenbedrohung durch die nach Westgalizien 
vordringenden Russen geltend machte. Nun mußten diese selben Divi¬ 
sionen, die eben noch an der Szreniawa keuchenden Atems gestürmt hatten 
und nur mehr 2000 und 3000 Streiter statt ihrer 15.000 zählten, ihren 
Kameraden südlich von Krakau zu Hilfe eilen. Ihnen schloß sich eine 
deutsche Reservedivision und Honvéds vom linken Flügel der k. u. k. 
3. Armee an. So wurde Limanowa-tapanów geschlagen. 
Auf russischer Seite fochten, das XXIV. Korps nicht eingerechnet, 
nach den uns erreichbaren Quellen 11 bis 13 Infanterie-und 4 ReiterdiVi¬ 
sionen — bei Annahme halber Sollstärken und ohne Einrechnung etwaiger 
während der Schlacht eingelangter Ersätze: 110.000 bis 120.000 Feuer¬ 
gewehre. Von der 4. und der 3. Armee des öst.-ung. Heeres wurden all¬ 
gemach 13 Infanterie- und 4 Kavalleriedivisionen eingesetzt (bei jenen 
die selbständigen Brigaden mitinbegriffen) ; das wären 90.000 Feuerge¬ 
wehre, von denen 10.000 (der linke Flügel der 3. Armee) erst am 12. De¬ 
zember auf der Walstatt wirksam wurden. Somit ergibt sich ein Kräfte¬ 
verhältnis 7:11 oder 7:12, also eine Übermacht der Russen um zwei 
Drittel des öst.-ung. Kraftaufgebotes. Leider reichen die vorhandenen 
Daten nicht aus, eine ähnliche Statistik über die Verluste aufzustellen. 
In taktischer Hinsicht bot der Verlauf der Schlacht ein Bild außer- 
1) Freytag-Loringhoven, Menschen und Dinge, 248 f. 
I 2. Aufl. 
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