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ein; diesen selbst aber wies er in der Nähe des nunmehrigen
Kapitelhauses einzelnstehende Wohnungen an, wohin ihnen
auch ihre Lebensbedürfnisse verabreicht wurden. Die Kleriker
sollten zu den bestimmten Zeiten und Stunden ht's Kapitel¬
haus kommen und dort den geistlichen Hebungen gemeinsam
obliegen, hierauf wieder in ihre Wohnungen zurückkehren und
daselbst ein zurückgezogenes Leben führen. In ihrer Mitte
verlebte der fromme Graf seine letzten Tage — an den Gräbern
seiner erlauchten Ahnen, seiner Gattin und Kinder, in der
innigen Ueberzeugung, auf solche Weise für das irdische
Besitzthum sich das Himmelreich zu erwerben, da nach Gottes
untrüglicher Verheißung ewiger Lohn dem zu Theil wird, der
vom irdischen, vergänglichen Besitz guten Gebrauch gemacht.
Arnold II. war überzeugt, daß er durch die Gründung einer
geistlichen Gemeinde ein Fried ensinstitut schaffe, geeignet,
diese unschätzbare Gabe Gottes der ganzen Umgebung Lam¬
bachs, dem ganzen Lande und der Menschheit zu vermitteln:
er beschenkte dieses Institut freigebig in der Absicht, dadurch
zu jenem vornehmsten und wahren christlichen Frieden zu ge-
langen, der ganz geistiger Natur ist und der Seele angehört,
entweder noch in Verbindung mit dem Körper in diesem
gegenwärtigen, oder getrennt von ihm in dem andern Leben,
wenn sie gereinigt ist von Allem, was die Freude des Himmels
stört. Um diesen Frieden nach dem Tode für sich und die
Seinigen erhoben sich die Hände des greisen Grafen flehend
zum Himmel, ehe sie die Urkunde zeichneten, das Requiem
aeternam*) schwebte auf seinen Lippen, während die Hand
die Feder hielt. Die Absicht des frommen Grafen war rein
und Gott wohlgefällig, und der Herr sorgte, daß Arnolds
Stiftung nach seinem Tode nicht zu Grunde ging, sondern
vielmehr vervollkommnet wurde. Als Markgraf Arnold II.
*) Herr, gib die ewige Nuhe!