Volltext: Illustrierte Kriegsbeilage Nr. 19 1915 (Nr. 19 1915)

Sonntag, 13. Juni 
dem Weibe den Mann, der Mutter das Kind. Dar¬ 
über starben die kleinen Freuden, darüber ist alles 
Lachen ans Kreuz geschlagen. 
Die Herbstnebel lagen in grauer Büngnis auf der 
weiten Douauebeue und kalten das alte Weiblein bis 
auf die Knochen und spinnen ihr das silberige Haar 
mit nassen Perlen ein: aber die Weberwalburg spürt 
weder Hitze noch Frost, das Leid hat sich ihr wie ein 
eiserner Harnisch um Leib und Seele geschlossen. Mecha¬ 
nisch gibt sie ihre letzte Kraft in die Arbeit. 
Der Feind. 
Skizze von M. Herbert. 
Am Feldrain sitzen zwei Buben und wiederholen 
mit eintöniger Stimme ohne Aufhören einen alten 
Kanon, den ihre Väter jetzt wieder ausgegraben haben: 
Das ist die Zeit der schweren Not, 
Das ist die schwere Not der Zeit, 
Das ist die schwere Zeit der Not, 
Das ist die Not der schweren Zeit. 
Sie behaupten ihre Stimmen auch, 
als ein Trupp Infanterie dröhnenden | ——— 
Schrittes vorbeizieht und singt: 
Ist einer von uns zu Boden gestürzt, 
So tun wir ihn begraben; yi 
Drei Schuß für seine Tapferkeit, ^ 
Die geben ihm in das Grab das Geleit. 
Schwermütig brechen die schleppen- 
den Töne sich an der Berglehne. Das IflllS- 's 
Lied der Soldaten spricht wie eine 'IlljhSti 
tiefe wissende Seele aus, was alle 
schweigsam erfüllt. Selbst hier im 
Süden Deutschlands, wo man das OjifMl 
Brüllen der Kanonen nicht vernimmt, 
herrscht der Krieg und nnr der Krieg. 
Tief hängen die Schicksalswolken über J » 
dem Volle nieder. Gebengten Hauptes, 7"' 
Augst und Gebete im Herzen, ver- * ~ 
richten die Menschen ihr Tagewerk. 
Eine große, bange Unsicherheit schleicht 
durch die Welt. Eine zitternde Da¬ 
seinsfrage. 
Die Weberwalburg, die bejahrte, von der Last des Lange ist kein ausgiebiger Regen niedergegangen, 
unerbittlichen Lebens gebückte Taglöhnerin, steht im der Boden trotzt hart wie Fels, und es ist schwere 
Felde des reichen Hofbauern und gräbt im Verein mit Last, die Hane in die spröde, steingemengte Ackerkrume 
anderen Arbeiterinnen Rüben aus der sich wehrenden zu schlagen. 
Scholle, die ihr Eigentum festhält. Ungewöhnlich groß Der Mann des Weibleins, der Webersepp, treibt 
sind die bläulichweißen runden Knollen geraten, schön die hellmähnigen Ackergäule des Hofbauern — die 
und ergiebig ist die Ernte. Aber die Freude an dem einzigen zwei, die zu der Bewirtschaftung des Gutes 
Segen des Ackers wird nicht laut. Es ist eine andere- freigelassen wurden — auf dem Feldweg daher, um die 
Ernte im Gange, die nimmt dem Vater den Sohn, Rübenfuhren einzuheimsen. Er ist fast zu gebrechlich 
Arauen in Wilssisch-Wolen
	        
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