Volltext: Der Spaßvogel 1924 (1924)

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Sumorerle von Geora Stahn. 
—Ieee 
Nachdrud verboten! 
Ensemble des B.schen Residenz⸗ 
heaters absolvierte ein auf vier 
Wochen- berechnetes Gastspiel in 
der Zauptstadt Wildhausen, unter 
Leitung des tüchtigen Direktors Zoppe. Die 
Teistungen, welche diese Truppe bot, waren 
jeder Weise hervorragend, denn Direktor 
Zoppe verstand es von jeher, eine lkleine 
Kumstlerschar um sich zu versammeln und 
auch dem Geschmack eines verwöhntesten 
Publikums Rechnung zu tragen. Bei der 
Truppe hatten sich zwei Herren in die 
Kollen der jugendlichen Liebhaber und Na— 
turburschen zu teilen, ein AUmstand, der 
des Oefteren dazu beig etragen hatte, je 
nach dem abendlichen Erfolg, gegenseitigen 
Reid zwischen den Rivalen herauf zu be⸗ 
schwören. I 
Der eine dieser Herren, Karl Teller 
mit Ramen, ging sehr erregt in seinem 
Zimmer auf und ab und murmelte aller— 
hand unverständliche Worte vor sich hin. 
Am Abend vorher hatte sein Kollege Hu⸗ 
go Schinke in einem historischen Schau⸗ 
spiel eine gewisse Rolle gehabt, und es 
waren ihm im Laufe des Abends sogar 
zwei riesige Kränze überreicht worden. Heute 
Ddend sollte nun Teller diese Rolle spie⸗ 
len und eine gewisse Unruhe überkam ihn 
wenn er daran dachte, daß das Publikum 
natürlich seine Leistung mit der seines Kob 
legen messen werde. Furcht hatte er gewiß 
nicht, dazu war er ein viel zu routinierter 
Mume, indessen werden oft dieselben Rob— 
len von verschiedenen Künstlern ganz ver— 
schieden aufgefaßt und ein noch so guter 
Schauspieler kann im voraus nicht wissen 
weiche Auffassung dem gestrengen Publi⸗ 
kum am meisten zusag9t . 
Teller war auch vesonders neidisch auf 
die zwei schönen Kränze, die sein Kollege 
erhallen hatte. Ob ihm wohl auch heute 
abend ein Kranz gewidmet würde? Er 
hatte keine Hoffnung auf einen solchen 
Genuß. Sinnend blickte Teller zum Fen⸗ 
ster hinaus. Plötzlich rief er aus: 
Ahl Vian macht da eine kleine Schie⸗ 
bungi“ Warum nicht? Das haben schon 
SEroßere geian! Ich werde mir selhst einen 
schönen Kranz kdaufen und ihn mir über⸗ 
eichen lafseni. Dann wird der gute Schinke 
fich gehörig ärgern “· 6G 
Schnell kleidete der junge Mime sich 
an und begab sich nach dem Gärtnerladen 
von Strasoski. Dieser Blumenhändler war 
in früheren Jahren auch Schauspieler ge⸗ 
wesen, haite dann aber die, Kunst des 
Workflechtens mit der des Blumenflechtens 
simd Bindens vertauscht und stand sich da— 
hei nicht schlecht. Teller hatte vor einigen 
Jahren mit Strasoski zusammengespielt und 
die früheren Kollegen hatten nun ihre alte 
Bekannischaft erneuert. 2 
6Gott zum Gruße, Strasoski!“ rief 
Teller, in den Laden tretend. 
Dem hohen Herrn Preis und Dank!“ 
anlwortete Sirasoski im schönsten Bühnen 
lone und fuhr dann in der gewöhnlichen 
Sprache eines Sterblichen fort: „Nun, 
mein Junge, was verschafft mir das Ver— 
gnügen, dich so früh bei mir zu sehen 2 
Du mußt mir einen Gefallen tun, 
Strasoski.““ — 
3wei für einen ··· 
XRsso, ich brauche zum heutigen Abend 
einen Lorbeerkranz“· 
„Den Teufel auch, du willst eine Kol⸗ 
legin beglüchen? “ 
„Neimn, mich selbst,cßße — 
„Aha, ich begreifeß.. 5 
DDeine Diskretion, lieber Junge, ist 
mir ja sicher“ 
Einfältige Bemerkung — unter Kol⸗ 
legennn 
Na, also! Ich muß heute abend einen 
anstaͤndigen Lorbeerkranz haben. Mache 
eine blaue Schleife daran und lasse ihn 
gleich nach dem ersten Alt werfen, da 
habe ich einen brillanten Abgang.“
	        
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