Alter — das war der dunkle Punkt,
an den man nicht rühren durfte, da er
reichlich zwanzig Jahre älter war als seine
Frau.
ð „Alter, ich — ha, ich nehme es mit
dem jüngsten Fant auf, ich“ — und nun
solgten eine Versicherung, was er noch al⸗
les imstande wäre, dann Vorwürfe und zu—
letzt eine Blütenlese
von Kraftausdrücken
und Flüchen, die
entschieden noch aus
wie seine Gattin
schaudernd dachte,
ammen mußten.
Séie wor über⸗
haupt sprach oz. Bis
setzt hatte s,e bei al—
en häuslichen Sze⸗
nen — und die ka⸗
men bei ihrem so
leicht erregbaren
Temperament öfter
vor — stets das
letzte Wort behalten,
da ihr zur Behag⸗
lichkeit und Ruhe
neigender Gatte sich
am am Ende immer
ihrem Willen beug⸗
te. Heute sollte es
anders sein! Nein,
das ging nicht, und
so erhob sie ihre
Stimme und ver⸗
suchte ihren Wor—
en Geltung zu ver⸗
schaffen. Da, aber
keiner nachgab, so
den bede
Shegatter so langeMNohch einmal wversuchte ¶dig Sanitäts-
eeachtvolle rätin, deren Stimme von der Anstreugung
Baß des Hausherrn bereits mattg eworden war, ihren Herrn
e i heteete und Gebieter auf die Gefahren der Groß-
Zausfraͤu bolstan⸗ stadt aufmerksam zu machen ·..
dig übertönte..
Noch einmal versuchte die Sanitäts—
rätin, deren Stimme von der Anstrengung
bereits matt geworden war, ihren Herrn
und Gebieter auf die Gefahren der Großstadt
aufmerksam zu machen; aber nichts versing
— soschwieg sie endlich resig⸗
Als ber Sanitätsrat merkte, daß er
allein /noch sprach, ging ein befriedigen⸗
der Zug über sein erregtes Gesicht.
Also am Freitag abends reise ich, da⸗
GExWwarf einen unsicheren Blick zu seir
ner Gattin hinüber, die sich nur bestäti—
gend zu nicken getrautie.
Ein stolzes Gefühl des Triumphes
überkam ihn. Endlich hatte er gezeigt, wer
Herr im Hause war, Nur jetzt sich nichts
vergeben, nicht gleich
wieder weich. wer⸗
mit Jauter Stimme
zur geöffneten Tür
hinaus. —
Sehr schnell und
ganz blaß erschien
das Töchterchen.
Geh sosort auf
den Boden, wo, du,
wahrscheinlich uuter
altem Gerümpel“
— hier grollte die
Stimme ihres Va—
ters dumpf wie rol⸗
lender Donner —
eine alte gestickte
Reisetasche Ainden
wirst; auf schwarx—
zem Grunde ist ein
roter Hund ge—
stickt.“ Hier wurde
die Stimme wieder
weicher. „Es ist
meine Reisetasche
aus der Studen⸗
zeit; die wirst du
mir instand setzen,
verstanden!“ Ich“
— hier hob ein lan⸗
ger Atemzug seine
Brust —„fahre
am Freitag nack
Breslau zum fünf⸗—
zigsten Sti tungsfest
meines Korps.“
Als wäre nichts
geschehen, küßte er
seine Tochter auf die Stirn und verab—⸗
schiedete sich in gleicher Weise pon sei—
ner Frau, die noch immer sprachlos auf
dem Sofa saß.
⸗Addio mein Schnuteken, du kannst
mir schon heute meine Orden auf den neuen
Frack annaͤhen, wegen der Festrede, weißt
bul SEervus igh fahr jeßt auf Pra—
cis, und zum Kollegen, der mich ver—
freten soll.“ *