Aber weshalb denn?“ .
„Ich schätze eben die Freiheit höher.
Hab' ich vielleicht so Unrecht darin ?
Der Referendar lächelle wieder. Er
hatte zu schnell getrunken, so daß er nicht
mehr so, ganze klar war. „Sie sprechen von
der Höhe Ihrer Lebenserfahrung herab'“,
sagte er, „ich aber will diesen Berg erst
erklimmen ·.. M—
Der Alte nicte. „Machen Sie sich
trotzdem meine Weisheit zunuße.“
Kleine Pause....
Der Referendar merkte, daß der Wein
ihm zu Kopfe stieg; zuerst war ihm das
unangenehm, dann aber kümmerte er sich
nicht weiter darum, und endlich fand er
ein Dleines Wohlbehagen daran, seine em-
täuschte Hoffnung. hier bei einem quien
Irppfen zu vergessen. So trank er tapfer
weiter.
„Wissen Sie,“ begann, der Alte wie—
der, „daß ich heute, als ich von Ihnen
fortging, furchtbar neugierig war! Fort—
während fragte ich mich: ist das nun wohl
eine ernste Herzenssache oder nur eine Heine
Liebelei?“
Der Referendar lächelte überlegen:
Mein, verehrter Herr, es ist eine sehr ernste
Sache; ich will tatsächlich meine goldene
Freiheit verkaufen.
BVexkaufen?“ fragte der Alte mit ge—
dehnter Stimme und schaute ernfter dran.
bzNun ija, um, hei Ihrem Scherz von
porhin zu bleiben,“ sagte der andere leicht-
hin lächelnd, und trank wiederum sein volles
Glas leer. .
„„Jetzt spielte der Alte wieder den / Zy⸗
niker. „Sie haben meine Worte vorhin
als Scherz aufgefaßt,“ sagte er, mir aber
war es bitterer Ernst; ich glaube einfach
nicht an eine Liebesheirat. Genußsucht oder
Geschäft, das sind die Grünude; und das
große Unglüdk unserer Männer ist, daß fie
mit zuviel Idealen und Illusionen in die
Ehe gehen — da kann ja naltüurlich der
Rückhschlag nicht ausbleiben“ 77
Der Reserendar sah den alten Herrn
scharf an. Er wußte jetzt nicht mehr ge⸗
siau, was er von ihm halten sollte. War
— Darüber war er
sich nicht ganz klar. Und je mehr er durch
die Brillengläser ihm gegenüber sahr um
den Ausdruck der Augen dahinter zu er—
gründen, desto mehr mußte er erkennen,
daß sein arer Verstand rapid wich und
daßz die Weinstimmung mit ihm durchzu—
gehen begann. Anfangs noch wehrte er
sich ein wenig dagegen, schließlich aber
mußte er den Widerstand aufgeben und ließ
es gehen, wie es wollte. 327
„Und soll ich Ihnen mal sagen,“ sprach
lächelnd der Alte weiter, daß ich Sie für
einen Lleinen ... Schwerendter halte 70
I. „O, ich bitte, ich bitte,“ meinte der
Referendar geschmeicheit, aber er hatte scho
einen kleinen Zungenschlag. 5*
„Allen Ernstes! Sie haben doch troß
Ihrer jungen Jahre auch schon das Leben
hbis zur Neige gusgekostet, und nun fagen
Sie sich: Schluß! klaren Tisch! ene reiche
und Schwiegerpapa bezahlt die Sun—
i Jetzt lachte der Referendar schallend
Quf. FV 3 J
„Stimmt es nicht?e “ —
„Es stimmt, alter Herr — es stimmt
wahrhaftig! wie — das Tupferl auf dem
i. Sie sind ein Gedankenleser, alten
Serr!“ Jachte schallend der heitere Referen—
dar ·Es stimmt alles. Ich habe
Schulden und muß ..reich heiraten! Also
Twenn schon, denn — shon je eher.
je besser! .. Vielleicht gewöhnt man
sich auch bald an den Philisterstiebel.“ Er
lachte laut; „Na Prost!es lebe die Lieb⸗
hahahaha!“ 73.5 A—
JFetzt wurde der alte Herr ein wenig
reservierter, sprach wenig uͤnd horchte ge⸗
nauer auf.
er andere dagegen, jetzt vollständig
redselig geworden kramte nun alles aus,
was er auf, dem Herzen hatte, — daß er
wirklich verschuldet sei, und daß nun eine
reiche Heirat ihn retten sollte, und schließ—
lich holte er gar noch das Bild seiner Zu—⸗
lünftigen heraus und rief: Hier sehen Sie
sich mal das kleine Mädchen an — ganz
netter Käfer, wie? . Na, ich werd' sie
mir schon .. erziehen, daß sie mir iiht
die Stränge zu hoch hält!“
„Pbtzlich erhob sich der alte Herr,
gahm dem anderen das Bild aus der
Hand und stechte es ein. Er schien ganz
verändertrtt. ———
gSerr Referendar,“ sagte er ernst, ich
bin Vormund der jungen Dame,. deren Bild
ich hiermit zurücknehme.“ 7*
Taumelnd sprang der andere so heftig
vom Stuhl auf, daß dieser umfiel.
„Durch einen Zufall erfuhr ich von
dem heutigen Zendezvous. Deshalb kam
ich statt meines Mündels. Ich wollte Sie
twas näher kennen lernen, weil schon die
Auskunft, die ich bekam, nicht allzu gut
lautete. Und nun kenne ich Sie ja aller