Volltext: Der Spaßvogel 1921 (1921)

Wieder trat ich, vom donnernden Ap⸗ 
plaus begleitet, in den Käfig, wieder machte 
sch meine waghalsigen Vorführungen und 
schon fast am Ende derlelben, hactte mein 
größter Löwe mit seiner Tatze nach meinem 
Fuß und seine Krallen zerrissen mein Tri⸗ 
lotwatton. Ich fühlte, wie ein balter 
Schauer mir üher den Rüden lief — toten— 
blaß kam ich in meine Garderobe, sprach 
kein Wort — niemand hatte dieser Klei⸗ 
nigkeit nur eine Beachtung geschenkt! — 
Von ienem Abend an betrat ich nicht 
mehr den Zirkus! Es war mit mir vor— 
bei — ich hatte Furcht — 25 Jahre lang 
hatte ich das Wort nicht gekannt. — Meine 
Placht der Bändigung hatte eben darin 
bestanden, und ijetzt hie ich, beim 
Betreten, des Käligs würden mich die Be⸗ 
tien zerfleischen. Der lleine Löwenkratzer 
hatte mir meine Ohnmacht gezeigt — ich 
muhte das Spiel aufgeben! — 
Ohne ein Wort zu sagen, meine ganze 
kostbare Garderobe, meine Tiere, meine L 
wen, alles ließ ich im Stich und entfloh. 
So feige war ich, daß ich nicht den Mut 
fand, nur eine Erkläärung über mein Tun 
abzugeben 
WMonate lang hielt ich mich versteckt 
Endlich trieb mich die Sehnsucht zu mei— 
nem Sohn. Nie wieder betrat ich einen 
Zirkus — nie sah ich ein wildes Tier 
mehr, ohne von einer rasenden Angst befal— 
len zu werdennn— 
Die Jahre haben mich beruhigt! Ich 
bin alt geworden, 38 und heute 
konnte ich sogar ruhig, ohne Furcht den 
Einzuo ansehen. Der Beruf meine lieben 
Kinder, ist nicht mehr für die heutige Zeit!“ 
Die alte Frau schwieg, eine Träne fie 
in ihren Schoß und die jungen Mädchen 
sahen still da und dachten, wie alltäglich 
doch eigentlich die Geschichte Var! — — — 
—— 
Mutterliebe der Guinnen. 
Die Spime, die aller Welt „spinne⸗ 
sie ist und von keinem Menschen ge— 
iebt wird, außer von einigen wilden Völ⸗ 
kern, denen recht fette Kreuzspinnen wahre 
Leckerbissen sind, ist gleichwohl als Mut— 
ter ein wahres Muster von aufopfernder 
Zärtlichkeit. Man mag ihr einen Fuß nach 
dem andern ausreißen, sie läßt das zar! 
gesponnene Nest nicht los, in welches sie 
ihre Eier gesponnen. Reißt man ihr das 
Nest geschickt so weg, daß sie nicht ver 
letzt wird, scheint sie sofort vor Schmerz 
erstarrt und wickelt ihre zitternden Glie— 
der zusammen, ohne sich dann weiter zu 
rühren oder je wieder ein Lebenszeichen 
von sich zu geben. Schiebt man ihr das 
Nest mit den Eiern wieder so zu, daß 
sie es gewahr wird, bekommt sie plötzlich 
alle ihre Lebenskraft und ihren Todes 
mut wieder, womit sie den wieder ergrif— 
fenen Schatz verteidigt und an Das 
Nest von ihr zu entsernen, ist sehr schwer, 
da sie sich in der Regel den ganzen Kopf 
eher abreißen läßt. als es losläßt 
Wortlich befolat. „Also, Huberbãue 
rin“, sagte der Arzt zur Frau des Patien— 
ten, „Ihr mühßt vor allen dafür sorgen, 
daß der Bauer punktlich um 9 Uhr abends 
sein Schlafpulver bekommt.“ Am andern 
Tage kommt er wieder und fragt, ob seine 
Vorschriften auch genau befolgt worden 
sind. „Ja“, sagt die Bäuerin, „ich habe 
meinem Mann das Schlafpulver zur rech— 
ten Zeit eingegeben. Aber, es war ein 
schweres Stück Arbeit; er hat gerade so 
fest geschlafsen, daß er kaum zu wecken war.“ 
1 
Besichtiguna. General: „Na, und wie 
schmeckt das Essen?“ — Musketier 
Knitschke: „Gut. Exzellez!“ — General: 
„Kommen keine Unregelmäßzigkeiten vor? 
Etwa, daß einer ein großes und der andert 
ein kleines Stüch Fleisch bekommt?“ — 
Knitschle: „Nie. Exzellenz! Wir friege⸗ 
alle kleine Stücke!““““
	        
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.