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wird, selbst wenn man Thüren und Fenster noch so dicht verschliesst.
Wozu also dann noch besondere Ventilation anwenden und die Zimmer
wärme vergeuden? Ja, woher stammt denn aber diese eindringende Luft?
Ist es auch wirklich frische, reine Aussenluft? Genaue Versuche haben er
geben, dass durch eine Ziegelsteinmauer auf einen Quadratmeter in einer
Stunde nur zwei Zehntelliter Luft eindringen, und zwar bei einem inneren
und äusseren Temperaturunterschiede von 30 Grad, während bei geringerem
Unterschiede die Lufterneuerung noch bedeutend abnimmt. Auch durch fest
verdichtete Fenster und Thüren kann nur wenig Luft eindringen. Folglich
strömt ein grosser Teil der neuen Luft durch die hölzernen, undichten
Fussböden und Decken ein, und zwar umsomehr, je kälter das Zimmer
unter uns ist, was wir ja auch an den frierenden Füssen in sonst ganz
warmer Stube sehr wohl merken. In dem Zwischendeckmaterial unserer
bekanntlich sehr undichten Fussböden häuft sich nun allmählich eine grosse
Menge Schmutz an, welcher sich von Jahr zu Jahr vermehrt; es entwickeln
sich darin verschiedene Gärungs- und Fäulnisprozesse, reichlich unterhalten
durch das eindringende Schmutzwasser vom Scheuern, und durch die Ex
kremente von Mäusen und anderem Ungeziefer. Strömt nun die Luft durch
solch einen verpesteten Fussböden, so wird sie natürlich bedeutend ver
unreinigt. Es ist also zwar ganz richtig, dass unsere Stubenluft fortwährend
zum Teil erneuert wird, aber keineswegs immer im guten Sinne. Deshalb
bleibt uns weiter nichts übrig, als durch geöffnete Fenster und Thüren die
frische Luft einzulassen. Dabei haben nun manche die Gewohnheit, die
oberen Fensterflügel recht oft ein wenig aufzumachen, um, wie sie meinen,,
namentlich die unreine Luft unter der Decke durch frische zu ersetzen.
Diese Methode ist aber nicht zu empfehlen. Denn einerseits strömt dabei
gerade die warme Luft unter der Decke sehr schnell aus, wodurch das
Zimmer kalt wird, und andererseits kühlt die eindringende kalte Luft die
mittlere, noch kohlensäurehaltige Luftschicht rasch ab, und bewirkt somit,
ein Niedersinken derselben. Macht man nun das Fenster wieder zu, so-
dehnt die Ofenwärme diese, sowie die eben aus dem Fussböden aufge
stiegene unreine Luft aus und lässt sie dadurch wieder zur Mundhöhe des
atmenden Menschen steigen.
Eine wirklich rationelle Luftreinigung können wir einzig und allein
durch eine, wenn auch seltener ausgeführte, so doch vollständige Oeffnung
aller Fenster und Thüren erreichen. Nur dadurch wird ein energischer
Luftzug bewirkt. Vermehren können wir diesen noch durch Wehen mit
Kleidungsstücken oder durch recht schnelles Auf- und Zumachen der Thüre,
indem wir, um das laute Zuklappen zu vermeiden, uns vor diese stellen
und sie von einer Hand in die andere werfen. Dadurch wird die schlechte
Luft aus dem ganzen Zimmer, aus den Ecken und unter den Möbeln ver
trieben und durch frische, reine, direkt von aussen bezogene Luft ersetzt. Es
ist dabei der Wärmeverlust kein so grosser, als man annehmen sollte. Denn,,
nochmals bemerkt, nicht auf das lange Lüften kommt es an, sondern auf den
schnellen, heftigen Windzug, den man künstlich hervorruft. Dabei werden
Ofen und Wände nur sehr wenig abgekühlt, so dass durch ihre nachherige-
Wärmeausstrahlung bald wieder eine gemütliche Temperatur eintritt.
Auch grüne Pflanzen in den Zimmern tragen viel zur Peinigung der
Luft bei. Doch wähle man nicht zu viel blühende oder gar stark riechende,,
sondern hauptsächlich schnell wachsende Blatt- und Schlingpflanzen. Der
Grund des Nutzens liegt darin, dass die für die Menschen schädlichen Gase-
(Kohlensäure, Ammoniak) von den grünen Blättern aufgesogen und das für
Menschen nützlichste Gas (Sauerstoff) von ihnen ausgehaucht wird. Ebenso-
trägt ein häufiges Bespritzen der Pflanzen, welches zum Gedeihen derselben
durchaus notwendig ist, in hohem Masse zur Erfrischung von Geist und Körper
der Stubenbewohner bei. Und ausserdem, was für eine herrliche Zierde bilden
Schlingpflanzen zu Festons und Lauben gezogen, für jedes Zimmer! Wie
schön, traulich und heiter ist solch ein grün bekränzter Wohnraum, der in&