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zum Frühstück Milch." Von einem Transporte der Patientin nach einem süd
lichen Orte riet Nothnagel für jetzt entschieden ab, da sich erst im Verlaufe
von 4 Wochen zeigen werde, was wir zu hoffen hätten. Wir arbeiteten nun
mit unserer Wasserkraft rüstig weiter, und schon in 14 Tagen, anfangs No
vember, bemerkte ich bei der Kranken eine wesentliche Steigerung des Appetits
und nach den täglichen Messungen auch den gänzlichen Abfall des Fiebers.
Es ereignete sich mehrmals, daß meiner Frau die verabreichten Fleischportionen
zu klein waren. Auch Professor Nothnagel sendete die tröstliche Nachricht,
daß auf der Klinik in dem untersuchten Auswurfe keinerlei Tuberkel-Baccillen
entdeckt worden seien. Der Hausarzt, dem ich triumphirend diese günstigen
Aussichten mitteilte, schüttelte noch immer bedenklich den Kopf und erklärte,
es sei eben jetzt nur ein Stillstand eingetreten, wie dies bei solchen Leiden
häufig der Fall sei; er hege die Befürchtung, daß ein weiterer Nachschub
eintreten werde. Natürlich wurde noch immer nach der Ordination Rikli's
mit der Wasserbehandlung fortgefahren.
Bei Beginn des neuen Jahres bemerkte die Umgebung der Kranken eine
auffällige Veränderung derselben zum Bessern; dieselbe konnte schon den ganzen
Tag außerhalb des Bettes zubringen, hatte guten Schlaf und Appetit, war
in ihren Bewegungen gegen früher auffallend rasch und behende, und die^Be
fürchtung des Hausarztes wegen eines Rückfalls ging Gott sei Dank nicht in
Erfüllung. Anfangs April, als die ersten milden Frühlingstage anbrachen,
fuhr ich anfangs mit der Genesenden spazieren, später machten wir zu Fuß
kleine Ausflüge in die öffentlichen Parkanlagen, und am 15. Mai des Jahres
1888 erlebte ich die Freude, mit meiner nun vollkommen genesenen Frau
eine Vergnügungsreise nach Triest machen zu können.
Meine Frau sieht heute viel besser aus als vor ihrer Erkrankung, hat
an Körpergewicht ganz bedeutend zugenommen und hantirt im Hauswesen, als
ob nichts vorgefallen wäre.
Und dies alles, dies ist meine feste Ueberzeugung, haben wir der Naturheil
methode zu danken und dem Manne, welcher der Quellen-Nymphe in Veldes ihre Ge
heimnisse abzulauschen verstand, um dieselben seinen Mitmenschen nutzbar zu
machen. Er hat die schon gänzlich gesunkenen Lebenskräfte neu erwecktZund
zwar ohne den Organismus schädigende Medikamente, nur mir
Hilfe der Natur - Heilkräfte. Möge Herr Rikli zum Heile seiner
kranken Mitmenschen, deren es ja immer mehr als genug giebt, noch lange die
Naturheilkunde ausüben können, und wenn ihm diese anspruchslosen Zeilen zu
Gesichte kommen, er die Gewißheit fühlen, daß er eine Familie glück
lich gemacht hat.
Wien, am 9. Jänner 1889.
(Schluß folgt.)
Martin Kaßfurtker.
Wissenschaftliche Nsturheilkunde (Mysmtrie).
Line Beurteilung von Dr. Karl Nemnann.
Unter obiger Überschrift veröffentlicht Dr. med. Lahmann (Sanatorium weißer Hirsch
bei Dresden) in No. 70. der Dresdener Nachrichten einen Aussatz, der unsere Aufmerk
samkeit verdient.
Da, so viel wir wissen, bis jetzt noch keine genügende, in irgend welcher Form geklei
dete Erwiderung auf denselben erfolgt ist, und völliges Schweigen grade in dem vorliegenden
Halle als eine sehr bedenkliche Antwort zu betrachten ist, so gestatten wir uns hier in