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matischen Krankheiten in st a r k c m Gebrauch sei und zwar in
ziemlich hohen Dosen"! Über die Erfolge dieses Gebrauchs als Heil
mittel enthält sich die Fakultät aller Angaben und daran thut sie sehr Wohl.
Ich war in der Lage, namentlich in Badeorten, an einer Anzahl rheumatisch
Kranker die Wirkungen der Salicylsäure zu beobachten, sowohl zur Zeit, als
sic noch ein hochgcpricscnes neues Arkanum darstellte, als später, wo sie be
reits zu einem von vielen Ärzten mit Achselzucken als ein i» der Abnahme
begriffenes M od emi ttel bezeichnet wurde.
Das Resultat meiner Beobachtungen läßt sich kurz dahin zusammenfassen:
momentane, zuweilen bestechende Abnahme der rheumatischen Schmerzen
unter Steigerung der Hautausdünstung sowohl, wie der Ficbcrsymplome,
namentlich des Herzschlags, geringer und eher schädlicher Einfluß
bezüglich der Lähmungserscheinungen. In Bezug auf den eigentlichen Heil
prozeß habe ich eine mehr verlangsamende, als beschleunigende Wirkung
bei den mit Salicylsäure behandelten Patienten und eine hervorragende Nei
gung zu mehr oder weniger starken Rückfällen beobachtet. Im ganzen
verliefen rheumatische Heilungen beim Gebrauch der Wiesbadener Bäder ohne
Salicylsäure sicherer und meist auch schneller; noch schneller bei Naturhcilformen:
Auch nur einen einzigen Fall von lediglich mit Salicyl
säure ohne Anwendung von Bädern und sonstigen hygienischen Heilformen
(Massage rc.) bewirkter völliger Heilung von Rheumatismus zu konstatiren, ist
mir nicht gelungen, trotzdem ich mir in dieser Richtung nicht geringe Mühe
gegeben. Andrerseits boten die unter Mitverwendung von Salicylsäure
hergestellten Patienten noch längere Zeit ein Bild nervöser Aufregung, ge
reizter und gesteigerter Hautthätigkeit bei geschwächten Sinnesfunkrionen dar.
(Schluß folgt.)
Die Infektionstlieorie und Kontagienlehre.
Von Adolf Graf Zedtwitz.
Obgleich ich vermute, daß der ,,alte Ketzer" die Antwort auf die Entgeg
nung Herrn vr. Haupts nicht schuldig bleiben wird, so möchte ich mir doch
einige Bemerkungen erlauben. Es ist gar kein Zweifel, daß die mikroskopischen
Forschungen höchst interessant sind, aber insoweit Tierexperimente damit ver
knüpft werden, halte ich sie nicht allein für nutzlos, sondern, als Viviscktions-
gegner, auch für unerlaubt, worüber ich übrigens hier nicht weiter sprechen will.
Fast alle vivisektorischcn Experimente werden unter ganz unnatürlichen
Umständen vorgenommen und können daher nur zu ganz irrtümlichen Schlüssen
führen, wie beispielsweise Or. Walker in einer meisterhaften Kritik der Ex
perimente Prof. Rutherforts dargethan. Mir erscheinen demnach auch
die Experimente, wie sie uns I)r. H a u p t vorführt, bezüglich der Erforschung
von Krankheitsursachen absolut wertlos, so wissenschaftlich sie auch aussehen,
und ich bin der bescheidenen Meinung, daß die Lösung solcher Fragen nie
durch Experimente, sondern nur durch aufmerksame und vorurteilsfreie Beob
achtung der Thatsachen entschieden werden können.
Insbesondere sind Jmpfexperimcnte ganz unzulässig, denn die Infektion, wenn
eseinesolchegiebt, geschieht nur durch Einatmen der flüchtigen Kvntagicn
und deshalb kann man durch direkte Verunreinigung und Vergiftung des Blutes
Tiere künstlich krank machen, ohne damit den Beweis geliefert zu haben, daß
eine Infektion durch Einatmen möglich ist, und selbst das Experiment