Volltext: Der Naturarzt 1882 (1882)

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Die eigentliche Behandlung der Blutarmut sei Sache des Arztes, doch bespricht 
er kurz die Diät und sagt, daß das verlorene Blut sich nicht in wenigen Tagen 
oder Wochen ersetzen lasse, daher sei Geduld von Nöten und wolle man nicht 
glauben, daß man durch massenhafte Zufuhr konzentrirter, an leicht verdaulichen 
Nahrungsstoffen reicher Speisen und Getränke rasch zum Ziele gelangen könne; 
das Dutzend Eier und die vielen kleinen Beefsteaks pro Tag, sowie die reich 
lichen schweren Weine seien verkehrt. Diese Dinge werden nicht im geraden 
Verhältnis zu ihrer Einfuhr verdaut, weil eben der Magen anämischer, empfind 
licher und weniger leistungsfähig ist als der vom Gesunden. Jedes Übermaß 
bewirkt Magen- und Darmkatarrh und stört dadurch die Blutbildung, auf deren Be 
förderung es bei Behandlung der Anämie in erster Linie ankommt. Drei bis 
vier Eier den Tag mögen ebenso genügen, wie zwei mäßige Beefsteaks ■— wenn 
denn überhaupt diese auf die Dauer den meisten Kranken unerträglichen Speisen 
verwendet werden sollen. 
Eine aus dem Tier- und Pflanzenreiche genommene gemischte Nah 
rung, am besten eine gute Hausmannskost, einfach und kräftig zubereitet, sind 
vielen solchen Kranken weit mehr erwünscht und nützlicher, als raffinirte Kraft 
brühen. Tritt dazu der Genuß einer guten, erquickenden Luft und eine den 
Kräften angepaßte Bewegung im Freien, ferner eine einfache naturgemäße 
Lebensweise, vor Allem guter Schlaf, so werden die meisten, d. h. die nicht 
auf tiefer Konstitutionsstörung beruhenden Formen von Blutmangel selbst ohne 
den Gebrauch des Eisens, dieses vielfach mißbrauchten, die Verdauung 
häufig störenden und Wallungen erregenden Mittels, zu einem glücklichen Aus 
gange geführt werden. 
Wie man aus vorstehendem ersieht, hat der Herr Professor sein Thema 
recht hübsch bearbeitet, denn daß er noch gemischte Kost empfiehlt, dürfen 
wir ihm nicht übel nehmen, er hat es eben noch nicht bis zur Erkenntnis seines 
Kollegen Hofrat Hhrtl in Wien gebracht; doch Eins muß ich rügen: er 
hat in seinem wissenschaftlichen Vortrag die Erfüllung einer ebenso notwendigen 
Gesundheitsbedingung wie das Atemholen und Bewegung in frischer Luft, näm 
lich täglicher Hautpflege, mittels Waschungen und Bädern, ganz unberührt 
gelassen, während er doch weiß, daß durch selbige 4 / 5 aller Blmschlacken aus dem 
Körper entfernt, die abnormen Erregungen des Nervensystems am besten korri- 
girt und der Stoffwechsel überhaupt beherrscht werden kann. 
18. Dr. Richalds Gesundheitspflege derjenigen Berufsarten, welche 
vorwiegend mit geistiger Arbeit beschäftigt sind oder eine sitzende Lebensweise 
führen. Autorisirte deutsche Ausgabe von: D^ieue des professions liberales. 
Freie, auf Grund der 4. Auflage vorgenommene und durch mannigfache Zusätze 
erweiterte Übersetzung von Dr. med. H. Goullon. gr. 8. 208 S. Cöthen, 
Schettlers Verlag. Preis M. 2.40. 
Inhaltsverzeichnis: Kap. 1. Das Gehirn und die, die Gchirnthätigkeit be 
stimmenden Einflüsse; Anatomie, Physiologie, Psychologie, Pathologie, Geisteskrankheit, Hy 
pochondrie. Kap. 2. Von den individuellen Verschiedenheiten, Temperamenten. Kap. 3. Die 
durch geistige Berufsthätigkeit erzeugten Krankheitsanlagen. Kap. 4. Von den hauptsäch 
lichsten hygieinischen Hilfsmitteln, Luft, Haut, Zähne, Bäder, Mineralwasser, gesunde 
Motion, Schlaf, gegen Fettleibigkeit, Kleidung. Kap. 5. Verdaulichkeit der Nahrungsmittel. 
Kap. 6. Von der Nahrhaftigkeit oder dem Nährwert unserer Speisen. Kap. 7. Von den 
Getränken. Kap. 8. Einfluß des' Tabaks auf Leben und Gesundheit. Kap. 9. Hygieine 
der Augen und des Sehens. Kap. 10. Gesundheitsregeln für gesunde und kranke Tage 
nach A. von Fellenberg Ziegler. 
Der Übersetzer sagt im Vorwort, daß er dem deutschen Leserpublikum ein 
Werk übergebe, das im Lande seiner Entstehung die ausgedehnteste Verbreitung
	        
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