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Tags darauf fuhr ich nach Mürzzuschlag, wo unsere Freunde Brixel
und Czepeck eine, wenn auch kleine, doch sehr wißbegierige Zuhörerschaft zu
sammengebracht hatten, die während drei voller Stunden sich über die
Grundwahrheiten der naturgemäßen Lebens- und Heilweise belehren ließ. Ich
freue mich noch jetzt an dem Glück unserer Mürzzuschlager, besonders des lieben
Brixel, der sich durch jenen Abend, wie er sagte, für jahrelange Kämpfe im
Interesse unserer Sache reichlich belohnt sah.
Am folgenden Tage fuhr ich nach Graz zurück, um dort Nachmittags
5 Uhr in der großen „Puntigamer Bicrhalle" den Vortrag: „Über das Ent
stehen und Verhüten von Krankheiten vom Standpunkte der naturgemäßen
Lebensweise" zu halten. Auch diesmal hatten sich, trotzdem der Vortrag an
einem schönen Sonntagsnachmittag stattfand, 400 bis 500 Personen eingefun
den. Es ist also nicht zu bestreiten: das Volk will Belehrung auf
dem Gebiete der Gesundheitslehre und -Pflege.
Mit diesem zweiten Vortrage war in Graz meine Arbeit noch nicht be
endigt, denn auf Wunsch eines wohlthätigen Arbeitervereins (des humanitären
Vereins von Alt-Graz) hatte ich noch einen dritten Vortrag über: „Einige
der wichtigsten Punkte der Gesundheitspflege" zu halten. Circa 150 Zuhörer
aus allen Ständen, worunter auch einige Ärzte, hatten sich zu diesem Vortrage
eingefunden.
Meine drei in Graz gehaltenen Vorträge sprechen deutlich für das rege
Interesse, das in der Steicrmarkschen Hauptstadt für den Vegetarianismus be
steht ; unsere Sache ist dort in sehr guten Händen, möge dieselbe immer
schönere Fortschritte machen. —- Den Herren List v. Lilienbach und Hoffmann
an dieser Stelle meinen herzlichsten Dank für ihre freundlichen Bemühungen
für das Zustandekommen und Gelingen unserer Propaganda in Graz.
Von Graz ging's nach München, das sich spät erst zu einem Vortrage
gemeldet hatte. Ich fand dort fast nichts vorbereitet, konnte aber mit der
gütigen Hilfe unseres Gesinnungsgenossen Herrn Dieffenbach doch alles
so arrangiren. daß am dritten Tage nach meiner Ankunft in München der
Vortrag stattfand. Da mir für München einigermaßen bangte, wählte ich das
jenige meiner Themata, das gewöhnlich eine große Zugkraft ausübte:
„Über das Entstehen und Verhüten von Krankheiten".
Ich hatte mich nicht geirrt; ungefähr 450 Personen stellten sich ein und nach
dem Vortrage versammelten sich noch circa 20 Herren behufs Gründung eines
vegetarianischen Vereins (derselbe wird hoffentlich seiner Zeit zu Stande kommen).
Von München reiste ich nach Frankfurt a. M., wo unser so werk-
thätiger und opferfreudiger Gesinnungsgenosse, Herr Oppenheim, alle Vor
bereitungen zu dem Vortrage auf den 29. März getroffen hatte. Auch in
Frankfurt war das Thema: „Über das Entstehen und Verhüten von Krank
heiten vom Standpunkte der naturgemäßen Lebensweise" gewünscht worden,
und hatte uns dasselbe eine sehr aufmerksame Zuhörerschaft geworben. In
Frankfurt wie in München (wie vielerorts) bleibt dem Vegetarianismus ein
gewaltiges Stück Arbeit übrig.
Von Frankfurt ging's nach Wiesbaden, wo Herr Securius, der
eifrige Förderer der volksverständlichen Gesundheitspflege, einen Vortrag für
den 8. April organisirt hatte. Herr Securius hatte für Wiesbaden das
gleiche Thema gewünscht, welches der Berliner Verein für volksverständliche
Gesundheitspflege gewählt hatte, nämlich: „Uber dieDaner des mensch
lichen Lebens'und die Mittel, dasselbe nicht zu verkürzen".
Auch in Wiesbaden sehr guter Besuch.