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wird das Feuer zur Anfertigung der täglichen Mahlzeit angezündet und nach
Verlauf von ca. einer Stunde sind die Wecke hinreichend mit papierdicker Kruste
durchbacken. Da in den üblichen Küchenherden die Hitze ungleichmäßig ist, hat
man immer Sorge zu tragen, daß die Wecke zeitweise gewendet werden,
damit einem zu starken Backen von oben oder unten vorgebeugt wird; die Kruste
soll ziemlich blaß bleiben, doch wer sie braun liebt, mag die Wecke etwas länger
im Ofen lassen.
Einsender fügte noch bei:
Wir Luxemburger und noch einige Auswärtige, berren das Rezept mitgeteilt
wurde, essen nun seit Monaten das wohlschmeckendste, leichteste Brot in Form
der hier üblichen langgezogenen Wasserwecken, a 5 Pf. Dieses Brot ist viel
verdaulicher, wie sonstiges und scheint sogar regnlirend auf andere Funktionen,
wie z. B. die der Nieren, zu wirken.
Woher die Leute in Luxemburg aber das Weizenschrotmehl nehmen, oder
wie und wo sie den Weizen einkaufen, selbst putzen und mahlen, das Alles
wird nicht mitgeteilt, was doch für Manchen nicht unwichtig ist zu erfahren!
Heilung eines seltenen Nervenleidens
(Schmerzen in beiden Brüsten nach jeder anhaltenden Armbeweguug)
bei einer jungen Dame.
Vom Herausgeber.
Vor ein paar Jahren kamen ein paar Damen vom Lande zu mir, von
denen die allere mir die jüngere, ihre Tochter, als schwere Patientin vor
stellte, mit dem Beifügen, daß ihr Hausarzt, ein sehr gischickter Mcdizinalrat,
nun nichts mehr thun könne und Hilfe doch geschafft werden müsse,
weshalb sie auf Anraten von Freunden sich an mich wende, nachdem ihr Haus
arzt auf Befragen eine Wasserbehandlung auch für zweckmäßig gefunden. Auf
meine Erkundigung nach dem Leiden und seines Ursprungs erzählte mir das sehr
kräftig gebaute, nichts weniger als nervenleidcud aussehende Fräulein folgendes:
„Seit einigen Jahren fühlte ich dann und wann einen Stich in beiden
Brüsten, beachtete es aber nicht, da es mich in nichts hinderte; nach einer
langen Krankheit meiner Schwester bekam ich aber durch Anstrengung und Auf
regung Tag und Nacht anhaltenderes Stechen und Schmerzen in den Brüsten
bei und nach der Arbeit, so daß ich nach und nach im Geschähe nichts mehr
thun konnte, ebenso gings mir bei den gewöhnlichen Handarbeiten und in der
Küche, namentlich auch, wenn ich vom Markte einen gefüllten Korb heimtragen
wollte, was ich bald darauf ganz unterlassen mußte; am empfindlichsten aber
traf mich, daß ich auch das Spielen auf meinem Flügel einstellen mußte.
Ich bat darauf das Fräulein, mich ihre schmerzhaften Brüste sehen und
befühlen zu lassen, was cs ohne Zögern zugab; ich fand dieselben dem Körper-
entsprechend gut entwickelt und nicht mehr empfindlich beim Befühlen, als bei
andern Damen auch; ich konnte an denselben außer einer größeren Röthe nichts
abnormes entdecken und mußte mich über diesen mir noch nicht vorgekommenen
Fall selbst wundern. Ich probirte sofort einige duplizirte Armbewegungen,
wozu sich Pat. aber nicht verstehen wollte, weil sie befürchtete, daß dadurch
die Schmerzen hervorgerufen würden, doch ermutigte ich dieselbe, daß es ja
den Kops nicht koste und ich doch wissen müsse, woran ich sei; sie parirte nun
und schilderte mir dann die Empfindungen nach denselben in den Brüsten als
ein eigenes Stechen und Ziehen, das sie mit nichts sonst vergleichen könne.