Beispiel er aufgemuntert worden war, dem kalten Wasser
seine Aufmerksamkeit zu schenken. Es war dies William
Wright, Arzt der damals in Westindien stationirenden engli
schen Truppen. Derselbe hatte nämlich berichtet: „Seitdem
die Aerzte die frische Lust und das Trinken der kalten Ge
tränke in den Blattern und anderen bösartigen Fiebern so
nützlich befunden haben, sind diese Krankheiten in den zwischen
den Wendekreisen gelegenen Gegenden nicht wehr so tödtlich,
als vorher; und da ich oft bemerkt habe, wie sehr Personen,
die an bösartigen Fiebern krank lagen, durch das Waschen
der Hände und des Gesichts mit frischem Wasser erfrischt
wurden, so brachte mich dies auf den Gedanken, das kalte
Bad bei hartnäckigen, bösartigen Fiebern zu versuchen. Als
ich im Jahre 1777 am 5. September auf der Rückfahrt von
Jamaika nach Liverpool auf dem Schiffe selbst von einem
bösartigen Fieber befallen wurde, welches durch einen auf
demselben befindlichen und aus dem Spitale als Reconvales-
cent entlassenen Matrosen auskam und die gewöhnlichen Mit
tel mir wenig Erleichterung gegen die Fieberhitze verschafften,
so ließ ich mich am Nachmittag des dritten Tages der Krank
heit auf dem Schiff-Verdecke ganz entkleidet mit drei Eimern
Seewasser begießen. Die dadurch hervorgebrachte Erschütte
rung war groß; allein ich verspürte auch sogleich Erleichterung.
Der Kopf- und die anderen Schmerzen verminderten sich den
Augenblick, es erfolgte eine angenehme Wärme in der Haut
und gelinder Schweiß. Als gegen Abend die fieberhaften
Zufälle wiederzukommen drohten, nahm ich zu dem vorigen
Mittel meine Zuflucht und es erfolgte dieselbe gute Wirkung.
Am 10. September hatte ich kein Fieber mehr, sondern nur
noch eine geringe unangenehme Empfindung in den Kniekehlen
und Schienbeinen; ich bediente mich daher während des Tages
zwei kalter Bäder und die Zufälle blieben aus. Den 11.
Septbr. wiederholte ich die kalten Bäder und war völlig her
gestellt." —
Von den deutschen Aerzten, welche die Heilkraft des Was
sers benutzten, nennen wir aus älterer Zeit vornehmlich den
preuß. Geheimrath und Leibarzt Dr. Fr. Hoffmann, jenen
weltberühmten Professor der Medicin in Halle (1660—1742).
Ihm verdanken wir nicht nur die noch jetzt beliebten Hoff-
mann'schen Tropfen (Lyquor anodyims), - sondern auch vor
treffliche Abhandlungen über den Heilgebrauch des Wassers. In
einer seiner Schriften erklärte er das gemeine Wasser gewisser
maßen als Universalmedicin, und zwar in dem Sinne, als es
1. allen Naturen, in jedem Alter nnd zu jeder Zeit zusagt;
2. außer ihm kein besseres Preservativ (Vorbeugungsmittel)
gegen Krankheiten giebt; 3. sowohl in acuten, als in chroni
schen Krankheiten unfehlbar hilft; 4. bei allen Jndicationen
(Anzeigungen) Genüge leistet. — Aehnlich spricht sich der im
Jahre 1837 verstorbene Medicinalrath und Physikus Dr.Reuß
(zu Aschaffenburg) aus, indem er sagt: „Wenn es irgend ein
Mittel in der Natur giebt, welchem vermöge seines allgemei
nen und unbedingten Gebrauches die Benennung Universal
mittel zukommt, so ist es das kalte Wasser. Ich habe selbst,
fährt er fort, mittelst der Abkühlungsmethode mit wenigen
oder keinen Apothekermitteln seit 1812 mehrere Tausend
Flecken-, Scharlach- und Pockenpatienten und mit der Gesichts
rose und anderen Entzündungen befallene Menschen leicht, ge
schwind und glücklich geheilt, so daß ich mir dadurch den Na
men eines Wasser- und Sechspfennigdoctors zugezogen habe."
Wir glauben hiermit, wenn auch vor der Hand nur erst
in Betreff gewisser Krankheiten, nachgewiesen zu haben, was
unsere Ueberschrift ausspricht und schließen mit einer Stelle
aus einer von Hufeland im Jahre 1821 gestellten, mit 50
Ducaten gekrönten Preisschrift, deren Verfasser der würdige
K. K. Hofmedikus Anton Fröhlich zu Wien war. In dieser
Schrift heißt es Seite 41: „Wo der Arzt von der Anstek-
kung eines typhösen Fiebers sich Gewißheit verschafft hat,
läßt er die Kranken beim Ausbruch der Hitze gleich ein paar
Minuten lang kalt baden nnd das Bad nach Umständen wie
derholen, und der Typhus ist in seiner Geburt erstickt. Aber den
größten Triumph erhält er vor der Welt, wo bereits die Le
bensgefahr den höchsten Grad erreicht hat und er den Kran
ken in wenigen Tagen rettet, was er kann, wenn er Gewohn
heit und Vorurtheil ablegt." —
Extracte aus den früheren Protoeollen des hydro-diätetischen
Vereins zu Dresden.
Fortsetzung au5 dem Protokoll vom 4. 0anuar 1836.
Ueber die gewöhnlich Unerfahrene von der Wasserdiät abschrek-
kenden Befürchtungen einer Erkältung beim Kaltwaschen in kalter
Luft-Temperatur bemerkte Herr M. in einer Vorsammlung der Was
serfreunde, daß diesem Uebel durch einige vorhergehende und nachfol
gende Körperbewegung gar leicht vorzubauen" sei. So könne auch
mittels Reibens und Zusammenschlagens der Hände, oder der Arme,
das allerdings unangenehme Erstarren der Finger und der durch die
Kälte verursachte heftige Schmerz unter den Nägeln leicht vertrieben,
und meist auch ganz vermieden werden.
Als einen Beweis der Heilsamkeit des kalten Wassers auch bei
Geisteskrankheiten führte gleichfalls Herr M.' die Heilung des Herrn
Hofpredigers in Muskau, Namens Peter, an, der, daselbst seit 30 Jah
ren als ein sehr ruhiger Mann bekannt, im vergangenen Jahre
in eine Geistesverwirrung verfallen sei, die bald in ununter
brochene Wuth und Raserei übergegangen. Sein Arzt, Dr Sick, habe
dann, nachdem er mancherlei Kunstmittel angewendet, ihn täglich drei
mal mit drei Wasserkannen voll kalten Wassers von einer gewissen
Höhe herab tropfweise langsam so, daß zunächst der Kopf getroffen
wurde, begießen lassen. Hiervon lei der Kranke, bei dem sich schon
nach dem ersten dieser Gußbäder einige Besserung gezeigt, nach fünf
monatlichem Gebrauche gänzlich genesen.
Hierzu ward von einigen Mitgliedern die Erinnerung gemacht,
daß dergleichen kalte Sturzbäder für Geisteskranke, deren Uebel sich
schon bis zum äußersten Grade der Raserei gesteigert, in den für sie
bestimmten Heilanstalten von den Aerzten schon längst und oft mit
dem besten Erfolge angewendet worden seien.
Bei Erwähnung der Gewohnheit vieler Aerzte, ihre Patienten
mit allzu viel und vielerlei Arzneimitteln zu bestürmen, theilte ferner
Herr Martini die aus dem Munde des ehemaligen hiesigen Hofraths
vr. Titius gar oft vernommene Aeußerung mit, „daß drei Viertheile
der Menschen durch Recepte und Arzneien getödtet würden " Außer
dem bemerkte Herr Martini, daß die Aerzte gewöhnlich nur in der
äußersten Lebensgefahr, wenn ihre Kunstmittel erschöpft wären und
meistens allzu spät sich zur Anwendung des kalten Wassers entschlössen,
wie z B. bei gänzlich aufgegebenen Scharlachpatienten. Daher sei
leider die Meinung entstanden, das Waffer habe das Ende des Kran
ken herbeigeführt, und sei überhaupt bei solchen Krankheiten schädlich.
Lu8 dem Protokoll vom 7. Nlärz 1836.
Herr Martini theilte aus brieflichen Nachrichten seines Herrn
Bruders die Krankengeschichte eines acht Monate alten Kindes mit,
dessen von dem allopathischen Arzte mehrmals gänzlich aufgegebenes
Leben durch Hülfe des bloßen Wassers jedesmal erhalten, aber auch
jedesmal durch Arzneien wieder bestürmt und bis zum gänzlichen Ver
löschen gebracht worden war.
Dieses im Allgemeinen drüsenkranke, aber schon seit einem Vier
teljahre. an einem bösartigen Gesichtsausschlage leidende und deshalb
allopathisch, jedoch erfolglos behandelte Kind. Namens Rudolph Geyler
in Rochsburg, litt nun auch an einer Zahndiarrhoe, welche gleichfalls
allopathisch behandelt, nach 12 Tagen, mit häufigen Blutausleerungen,
in eine völlige Ruhr überging. Nach mancherlei vergeblichen Versuchen
wurde zuletzt Burgunderwein, täglich in drei Theelöffeln gegeben, mit
ebenfalls davon gemachten Clystieren angewendet. Da das Kind dabei
gänzlich entkräftet und zu einem bloßen Gerippe geworden war, so
machte man, unter Vorwissen des Arztes, mit kalten Wasserumschlägen
einen Versuch, der indeß für das schon zu schwach gewordene Kind zu