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verharren, ist teuflisch. Welche loyale Regierung möchte
sich den Vorwurf machen wollen, nachdem tausendfältig con-
statirt ist, daß die Impfung kein Schutz gegen die
Blattern ist, daß die Blättern durchaus keinen pestartigen
Charakter mehr haben, sondern zu den gewöhnlichen Krank
heiten, für welche auch noch kein Schutz erfunden wurde,
herabgesunken sind, und daß beim Eintritt der Blatternkrank
heit so ein ganz einfaches Mittel den ruhigsten und gefahr
losesten Verlauf derselben herbeiführt; — welche Regierung
möchte noch eine Zwangsmaßregel bestehen lassen, die nicht
allein zwecklos, sondern sogar höchst schädlich ist! — Alles
ruft nach Freiheit und schon das unbehilsliche
Kind wird dem Zwang unterworfen, sich vergif
ten zu lassen.
Allerdings macht es den Aerzten einen großen Eintrag
in ihrem Verdienste; denn nicht allein die Jmpfdiäten, son
dern auch die später hierdurch erscheinenden Krankheiten sichern
ein nachhaltiges Einkommen.
Dieses Impfen ist zu einem Polizeigesetz erhoben worden
und der Zwang, unsere Jugend zu vergiften, muß durch
religiöse und Vernunft-Gründe wieder aufgehoben werden;
es haben ja so viele Hunderte juridische und polizeiliche Ge
setze durch ihre Untauglichkeit ihre Abwürdigung und Aufhe
bung gefunden, warum soll dieses Jmpfgesetz nicht auch sein
Ende finden, da doch den Eltern der freie Wille bleibt, ihre
Kinder dennoch impfen zu lassen, wozu die Ueberredungskraft
dem ärztlichen Personale zu Gebote steht. — Uebrigens könnte
demselben auch eine andere Verordnung als Entschädigung
dienlich sein. Man dürfte ja nur statt des Impfzwanges den
Beschneidungs-Zwang einführen der doch keine heillosen Nach
theile herbeiführt, was die Israeliten seit Moses Zeiten nach
weisen können.
Möchte für den bevorstehenden Landtag diese höchst
wichtige Impfzwangs-Aushebung eine Ausgabe wer
den, die beim Vernunft achtenden Publikum seine Unterstütz
ung finde!
Des Naturarztes D. Helfer Leiden und Freuden.
Somatisch-hydriatische Novelle.
(Fortsetzung.)
Bertha. Also lieber Papa, merke Dir, wenn Du mich
diesem Herrn Wasserdoetor überantworten wolltest, würdest
Du freundlichst auch für eine solche Naturnachahmung zu sor
gen haben —
Dr. Helfer. — Aber in der einfachsten Weise. Es
wird irgendwo — am besten im Schlafzimmer selbst — eine
kleine Vorrichtung an der Wand oder Decke angebracht, welche
das Aufhängen oder Aufziehen einer Kanne oder überhaupt
eines Gefäßes ermöglicht, an dem eine zumOeffnen mittelst Druck
klappe und Faden angebrachte Brausevorrichtung vorhanden ist.
Dieses Gefäß wird, so oft als man sich baden will, mit et
was Wasser versehen, aufgehängt und dessen Temperatur dem
Nervenzustande der betreffenden Person angemessen, so also,
daß z. B. bei Fräulein Bertha anfänglich die Grade 22,
selbst 24 R. vorherrschend sein müßten. Um das über den
Körper abfallende Wasser, welches nur eben so viel zu sein
braucht, daß die Haut überall gehörig angefeuchtet wird, am
Fußboden aufzufangen, legt man am einfachsten altwaschen
Leinen (Betttücher) in gehörigem Umfange aus die Diele;
besser aber freilich läßt man sich einen Bretboden dazu ma
chen, der, von ganz niedrigen Rändern eingefaßt, das Wasser
auffängt und so die Benässung der Diele verhütet.
Berthg. Allmälig müßte man aber wohl kühleres
Wasser zu diesen Ueberregnungen nehmen?
Dr. Helfer. Allerdings, aber doch nicht so kühl, als
leider oft angewendet und damit großer Schaden, nämlich
ganz allmälige Ueberreizung und Schwächung der Nerven, her
beigeführt wird. Niemand sollte als Gesunder und als Re
gel unter 150 im Sommer und unter 18" im Winter ba
den oder sich waschen. Der Zweck der thätiges Nerven-
und Blutreaction wird damit ebenfalls vollständig erreicht,
aber die spätere oder frühere Ueberreizung ausgeschlossen.
Bertha. Wie bekam denn nun der Comtesse Amelie
das unfreiwillige, aber naturgemäße Regenbad, und was
waren die Folgen davon und wie benahm sie sich diesen ge
genüber in ihrer eigenthümlichen Situation, daß sie es im
Nachtkleide zu nehmen gezwungen gewesen war?
Dr. Helfer. Wie gesagt, der durch die Benässung
herbeigeführte ungewöhnliche Hautreiz erhielt sie in unablässi
ger Bewegung des Sichreibens, und diese Bewegung schützte
sie vor Erkältung und dadurch herbeigeführter zu großer Er
schütterung ihres zarten, geschwächten Nervensystems. Uebri
gens hörte der Regen schon nach kurzer Zeit wieder auf, so
daß die unfreiwillig Badende auch nicht ihren Kraftvorrath
in den Bewegungen völlig zu erschöpfen brauchte, sondern
nach dem Vorüberzug der Gewitterwolke davon noch genug
vorräthig fand, um sich nun in die geöffneten Decken fest
einzuhüllen.
Bertha. Sammt dem nassen Nachtkleide auf dem
Leibe?
Dr. Helfer. Ja wohl! Das war das glückliche Ohn-
gefähr oder, wenn Sie wollen, auch die gütige höhere Fügung,
daß Fräulein Amelie, indem sie theils das natürliche Scham
gefühl, theils aber auch die ziemliche Erschöpfung Ihrer Kräfte
abhielt, das nasse, weiße Nachtkleid mit dem Hemd abzustreifen,
mit der Wohlthat der feuchten Wärme bekannt wurde,
zu deren Erzeugung und Erprobung aus diese nothwendige
und einfachste Weise sie sich außerdem wohl niemals entschlos
sen haben würde..
Frau Augustin. Wie konnte denn aber bei der Com
tesse von feuchter Wärme die Rede sein, da sie ja nur im
naßkalten Nachtkleide sich befand?
Dr. Helfer. Das ging sehr natürlich zu. Unser Kör
per wird, wie Sie wissen, von einem warmen Blutstrome
in immer gleichmäßigem Kreisläufe durchströmt. Sobald
man daher ein kaltfeuchtes Tuch oder Leinen oder dergleichen
mit seiner warmen Haut in Berührung bringt, und so zwar,
daß die in das nasse Tuch re (vermöge des in der Natur be
stehenden Gesetzes, wornach sich verschiedene Temperaturen so
fort und möglichst auszugleichen suchen), einströmende Wärme
nicht so leicht wieder, behufs fernerer Ausgleichung mit der
umgebenden kühlen Luft, in diese entweichen kann, wenn also
z. B. durch Auflage oder Verbindung und Einhüllung trok-
kener Tücher re die umgebende Luft von dem feuchten
Tuche abgesperrt worden ist — alsbald ist das kaltfeuchte
Tuch in ein warmfeuchtes verwandelt und die Naturheil
kunde benutzt diesen organisch-physikalischen Vorgang als eines
ihrer wichtigsten und mächtigsten Heilmittel.