Volltext: Geschichte der Stadt und des Gerichtsbezirkes Odrau

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welche die Stadt stark gebrandschatzt hatten, von Andreas Ritter von Hadik, Oberst¬ 
leutnant des Bellesnay'schen Husarenregimentes, in einem Gefechte an der Manken- 
dorfer Brücke in die Flucht geschlagen. Friedrich zog sich dann von Mähren nach Böhmen 
zurück und der Sieg, den er dort am 17. Mai 1742 bei Chotusitz über Prinz Karl 
erfocht, bewog die Kaiserin zum Frieden. Der Präliminarfriede wurde am 11. Juni 1742 
in Breslau und am 28. Juli der definitive Frieden in Berlin geschlossen, wodurch 
Schlesien und die Grafschaft Glatz an Preußen kamen, während das Troppan- 
Jägerndorfische sowie das Technische bei Österreich verblieben. 
Oberstleutnant Hadik hatte bei seinem kurzen Aufenthalte in Odrau Maria 
Anna Franziska, die Tochter des Grafen Franz Leopold Lichnowsky, kennen gelernt, 
mit der er sich am 8. Juli 1742 in Odra» vermählte. Zeuge der Trauung war 
ihr Bruder Johann Karl Gottlieb Graf Lichnowsky?) Am 22. Dezember desselben 
Jahres starb dann Graf Franz Leopold von Lichnowsky in Odrau und 
wurde am 24. Dezember in der Pfarrkirche in der Gruft vor dem Hochaltar beigesetzt. 
Franz Leopold Graf Lichnowsky war fürstlicher Rat und Landrechtsbeisitzer 
gewesen und hatte am 16. August 1730 von der Frau Sofie Eleonore Bodenhausen, 
geb. Freun von Reiswitz, für 128.000 fl. die Herrschaft Grabowka mit Lubum, Syrin 
und Riebotschan im Ratiborischen gekauft?) Aus seiner Ehe mit Barbara Cajetana 
Gräfin von Werdenberg waren folgende Kinder entsprossen: 1. Maria Anna 
Franziska Helene, geb. am 18. Juni 1716. Taufpaten waren: Mathes Patzolt, 
Häusler und Leinweber, und Katharina Brustmann, eine arme Witwe im Spital. — 
2. Helene Franziska Josefa Antonia, geb. 1718, gest. 9. April 1719. Deren 
Taufpaten waren: Mathäus Ernest Freiherr von Mittrowsky und Nemischl, Katharina 
Freiin von Reißwitz, geb. Görtz, und Angela von Wiplar, geb. Gräfin von Weichselburg. 
— 3. Johann Karl Gottlieb, geb. 16. Juni 1721, gest. 20. April 1788, welcher 
den Stamm fortpflanzte. — 4. Maria Josefa Johanna Nepomucena, geb. 
1724. Ihre Taufpaten waren ein Ausgedinger und eine Witwe im Spital. — 
5. Maria Antonia Leopoldine, geb. 11. Oktober 1726. Taufpaten waren 
ein Ausgedinger und eine Ausgedingeritt in der Vorstadt.—• 6. Franz Leopold 
Johann Nepomuk, geb. 2. September 1727. Dessen Paten waren der Ver¬ 
walter Johann Georg Michael Keller und seine Gattin. — 7. Emanuel G o t t- 
fried Karl Julius, geb. 6. September 1728, gest. 6. Dezember 1730. Tauf¬ 
paten waren: Graf Karl von Lichnowsky auf Kucheln« und Gräfin Eva Julian« 
von Mettich. — 8. Joel Paulinus, geb. 23. Juli 1729. Dessen Taufpate war 
der Kaplan Mathes Weiß. 
Barbara Lajetana Gräfin Lichnowsky. 
Graf Johann Karl Gottlieb, der Sohn des Grafen Franz Leopold Lichnowsky, 
überließ am 5. Jänner 1743 dem Mankendorser Pfarrer Johann Michael Neumann, 
Baccalaureus der Theologie der Prager Karls-Universität, und dessen Nachfolgern den 
Hüttler Valentin Christe beim Pfarrhof, den er von allen herrschaftlichen Leistungen 
befreite, ausgenommen die gewöhnlichen vier freien Tage und die Abnahme des herr¬ 
schaftlichen Holzes, wogegen der Pfarrer für sich und seine Nachfolger gelobte, jährlich 
zwei Messen zu halten, von denen die eine am 22. Dezember, als am Todestage des 
Vaters des Grafen, und die andere auf die Lebensdauer des Grafen Johann Karl 
am 15. Juni und nach dessen Ableben an seinem Todestage zu halten war. Graf 
Johann Karl ist wohl auch am 10. März 1744 als Herr und Besitzer der Herrschaft 
Odrau in der Troppauer Landtafel eingetragen, scheint aber mit seiner Mutter 
*) Graf Hadik wurde später Feldmarschall und war ein treuer Diener und 
Liebling der Kaiserin Maria Theresia, ein vertrauter Freund und Berater Kaiser 
Josefs II. und starb drei Wochen nach demselben (12. März 1790). — 2) Welzel, 
Archypresbyterat Ratibor, 499. 
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