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seinem Knrassierregiment in Odrau. Nebstbei standen hier auch Teile des Regimentes
Zahradetzky. Oberst Winz und seine Gemahlin standen am 10. Dezember 1640
dem Wachtmeister des letzteren Regimentes, Christoph Gabriel, bei der Taufe eines
Kindes zu Paten, und am 17. Februar 1641 war Matthäus Freigag-, der Quartier-
meister „Ihrer Excellenz des Herrn Obristen Winz", bei der Taufe eines Sohnes
des angesehenen Bürgers Georg Herzmansky zugegen. Am 4. März 1641 nahm der
Oberst in Gemeinschaft mit dem Herrschaftshauptmann Christoph Franz Beier von
Zweibrod im Rathaussaale die Erneuerung des Stadtrates vor. Deutscher Vogt
wurde Christian Manßbart und Bürgermeister Martin Kockert. Das Jahr 1641
war, ivie uns Zimmermanns Chronik angibt, „ein böses" für die Gegend, und
wanderten am Pfingstmontag, da kein Geld und kein Verdienst im Orte war,
t 6 Tuchknappen in die Fremde aus. Das Jahr vorher hatte eine verderbliche
Epidemie geherrscht.
Der dreißigjährige Krieg. V. Periode.
Wo das Regiment des Obersten Winz 1641 den Sommer über weilte, ist
nicht bekannt, im September aber war es wieder in Odrau. Hans Hofmann aus
der Neustadt an der Saale, ein Reiter aus seinem Regimente, heiratete am
2. Oktober 1641 in Odrau. Hier ließ der Oberst in der Pfarrkirche die große
Gruft im Presbyterium wieder neu herstellen und in derselben ein Versteck anbringen.
Im Frühjahre 1642 zog er mit dem Regimeute nach Schlesien, denn der dreißig¬
jährige Krieg, und zwar die fünfte und letzte Periode desselben, der schwedisch¬
französische Krieg (1635—1648), dauerte noch an. Er ließ vor seinem Ab¬
züge in dem Versteck in der Kirche die wichtigsten herrschaftlichen Schriften, die
Gerichtsbücher und Register der Stadt und der Dorfschaften, sowie die Schätze der
Pfarrkirche und ihrer Filialen verbergen.
Das kaiserliche Heer in Schlesien stand unter dem Befehle des Herzogs Franz
Albert von Sachsen-Lauenburg. Ihm gegenüber stand Torstenson, der im April aus
Brandenburg in Schlesien eingefallen war.- Am 4. Mai nahm dieser Glogan im
Sturme, bald darauf Schweidnitz ititb eroberte das ganze diesseits der Oder gelegene
Schlesien, bis auf Breslau, Liegnitz und Brieg, während die kaiserlichen Truppen
sich von Breslau über Troppau nach Mähren zogen. Der k. k. General Fernemont
lag am 7. Juni 1642 in Troppau, am 8. stand er schon in Odrau, von wo aus
er den Kommandanten von Olmütz, Oberst Miniati, brieflich verständigte, daß er
abends noch in Bolten eintreffen und von dort über Leipnik nach Olmütz ju kommen
beabsichtige, weshalb dieser Proviant bereit halten solle?) Mit ihm war auch Oberst
Winz nach Odrau zurückgekehrt. Da er wußte, daß die Schiveden den Kaiserlichen
auf dem Fuße nachfolgen, so ging er in fieberhafter Eile daran, seine hier zurück-
gebliebene Familie tutb seine wertvollste Habe in Sicherheit zu bringen. Mit mehreren
Karossen und Rüstwagen, im ganzen zwanzig sechsspännige Wagen, über welche der
Ratzke2) die Aufsicht hatte, brach er am 9. Juni frühmorgens — es war gerade Pfingst¬
montag — begleitet von 40 „wohlmundierten" Reitern, die unter dem Befehle eines
Rittmeisters standen, von Odrau auf, um über Wäll.-Mesexitsch nach Skalitz in
Ungarn zu gelangen, wo sein Bruder weilte. Als er mittags vor Meseritsch ankam,
nahmen die dort zahlreich versammelten Wallachen eine drohende Haltung an und
wollten ihn nicht durchlassen. Der Oberst ließ durch den zufällig des Weges
J) Bretholz: Neue Aktenstücke zur Geschichte des Schwedenkrieges in Mähren
und Schlesien. Zeitschrift des Deutschen Vereines für die Geschichte Mährens und
Schlesiens. V. Jahrg., S. 13, 14. — 2) Ratzte war jener, der die herrschaftlichen
Getreidezinsen einforderte. Es ist eine Verstümmelung des böhmischen Wortes:
hradsky = Burgwächter. Er hatte die sogenannten Ratzkeslecken, die Parzellen 2034,
2095, 2096, 2099, 2102 und 2103 am Ziebbache von der Herrschaft zur Benützung.