Nr. 71 (437)
Der Deutsche Generalkonsul in Danzig an das Auswärtige Amt
Telephonische Mitteilung vom 31. August 1939 0,40 Uhr
Am 30. August 1939 etwa gegen 22.30 Uhr wurden an der
Danziger Grenze bei Steinfließ nördlich Zoppot von polnischer
Seite aus eine Anzahl Schüsse gegen Danziger Gebiet ab¬
gegeben.
Ob diese Schüsse Personen- oder Sachschaden angerichtet
haben, konnte bisher nicht festgestellt werden. Nähere Mit¬
teilung erfolgt heute vormittag.
Die Reichsregierung sah sich veranlaßt, im Interesse der deutsch¬
polnischen Beziehungen der Polnischen Regierung ihre Besorgnis über
die Entwicklung des polnischen Verhaltens gegenüber Danzig aus-
Zudrücken. Die anmaßende Antwort aus Warschau Ze^T wie wenig
Polen in diesen Tagen, immer unter dem Schutz der britischen
Blanko- Vollmacht > geneigt war, von seiner Politik der Heraus¬
forderung abzugehen.
Nr. 72 (445)
Mitteilung des Staatssekretärs des Auswärtigen Amts
an den Polnischen Geschäftsträger, 9. August 1939
Die Reichsregierung hat mit großem Befremden von der
Note der Polnischen Regierung an den Senat der Freien Stadt
Danzig Kenntnis erhalten, in der die Zurücknahme einer
angeblichen — auf unwahren Gerüchten beruhenden — An¬
ordnung des Senats zwecks Verhinderung der polnischen
Zollinspektoren an der Ausübung ihres Dienstes, die in Wirk¬
lichkeit von dem Senat der Freien Stadt gar nicht erlassen war,
in ultimativer Form gefordert wurde. Im Falle einer Weige¬
rung wurden Vergeltungsmaßnahmen gegen die Freie Stadt
Danzig angedroht.
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