Volltext: Milde Beiträge zur Sitten- und Kunstgeschichte (1)

284 
Das neue Amtsgebäude in Ried. 
Geschoßhöhe (von einem Zimmerboden bis zum nächst höheren) 
beträgt überall einen halben Meter mehr. — Im 1. Stocke be— 
finden sich übrigens nebst den erwähnten Kanzleien auch zwei 
Registraturzimmer, deren Fenster in die zwei Lichthöfe gehen. 
Nun kommen wir in die ebenerdigen Räume—: Hier ist alles 
gewölbt. Die Art des Gewölbes ist ein Traversengewölbe in 
Segmenten. Wenn man vom Roßmarkte aus durch das mächtige 
eichene Tor die Einfahrt betritt und fast bis zum Hofe vorwärts 
schreitet, so kommt man rechts durch einen Glasabschluß zur 
Wohnung des Dieners der Bezirkshauptmannschaft, links, eben— 
falls durch einen Glasabschluß, zum Keller und durch einen 
anderen zur Wohnung des Postamtsdieners. Nahe bei dieser ist 
eine Waschküche, die zur Wohnung des Bezirkshauptmannes ge— 
hört. Das Wasser kann einem artesischen Brunnen entnommen 
werden, der gleich nebenan in dem einen Lichthofe steht und 
102 Meter tief ist. Ein zweiter artesischer Brunnen, 70 Meter 
tief, steht im großen Hofe. Beide wurden von dem Brunnen— 
macher Josef Huber in Ried gegraben. 
Aus der Waschküche heraustretend stehen wir bald wieder 
beim Eingange vom Hauptplatze zur Bezirkshauptmannschaft. 
Derselbe ist nach außen mit eisernen Rouleaux verschließbar. 
Dann ist eine zweiflügelige Tür aus Eichenholz mit Oberlicht. 
Die Flügel sind durch schmiedeiserne Gitter und Glas durch— 
brochen. Das Vestibul ist noch durch einen Glasabschluß mit 
Spieltüren abgeteilt, um den Luftzug abzuhalten; die Glas— 
tafeln sind geätzt.“ 
Aehnlich wie dieser Eingang ist jener zur Post in der Mitte 
des Gebäudes: eiserne Rollbalken, Glastüre und noch eine Spiel— 
türe mit Vorkasten, um den Luftzug oder das Entweichen der 
warmen Luft im Parteienraume zur Winterszeit zu verhindern: 
denn gleich an den Eingang schließt sich der Parteienraum an. 
Sechs Schalter öffnen sich von diesem gegen den Kanzleiraum; 
zwei gegenüber dem Eingang, zwei links und zwei rechts. Ueber 
den ersteren zweien in der Mitte ist eine Uhr. Die Schalter— 
wände reichen vom Fußboden auf nur 25 Meter in die Höhe, 
während die ganze Zimmerhöhe, wie gesagt, 38 Meter beträgt. 
Auf diese Weise bilden der Parteienraum und der Kanzleiraum 
zusammen nur ein Lokal und kann die Wärme zwischen beiden 
Räumen zirkulieren. 
An den großen Kanzleiraum schließen sich einzelne Bureaux, 
so rechts das Telegraphenzimmer, links das Zimmer des Post— 
verwalters, zu dem man auch vom Hauptfplatze durch den oberen 
Eingang und ein Vorzimmer gelangt. 
In den Räumen des Postamtes ist alles feuersicher, über— 
all sind eiserne Türen; sogar der Aufzug für Holz und Kohlen 
ist hier nicht mit Holzwänden, sondern mit eisernen Wänden
	        
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.