Volltext: Die Kriegsführung im Frühjahr 1917 (12. 1939)

Kämpfe zwischen der Sehnen- und der III. Stellung. 
465 
weiteren Absehens vom Feinde war sie entgegengetreten'). Nach einer Ve- 
sprechung mit General von Kühl beim Armee-Oberkommando am 9. Juni 
erließ General Sixt von Armin den dafür grundlegenden Befehl, der sich auf 
folgenden Erwägungen aufbaute: 
Die Linie, die von den deutschen Truppen zur Zeit gehalten wurde, 
war der Längsbestreichung zwar weniger ausgesetzt, als es die I. und 
II. Stellung gewesen waren, immerhin lag auch sie von beiden Seiten her 
unter flankierendem Artilleriefeuer. Auch sonst war sie, nach Ansicht des 
Armee-Oberkommandos, ebenso wie die III. Stellung, nicht geeignet zu nach- 
haltigem Widerstand während einer Dauerschlacht^). Es kam dann die 
„Kanal/Lys-Stellung" in Frage, die sich am Ostufer des Kanals Npern— 
Comines bis Houthem hinzog, dort auf das andere Ufer überging, bei Vas- 
Warneton die Lys erreichte und sich dicht östlich dieses Flusses über Deüle- 
mont erstreckte. Auch diese Stellung schien nur als Zwischenstellung brauch- 
bar zu sein, vor allem wegen der schlechten Artilleriebeobachtung zwischen 
Houthem und Warneton. Zur hartnäckigen Verteidigung im Großkampf 
geeignetes Gelände lag erst in der Linie Tenbrielen-Riegel, Flandern- 
Stellung von Wervieq bis Linselles, Flandern-Riegel bis in die Gegend 
südöstlich von Armentieres. Diese Stellung konnte jedoch nicht sofort ein- 
genommen werden, da der Ausbau der Tiefenzone und die Vorbereitung der 
Abwehr mindestens 14 Tage erforderte. Diese Zeit sollte durch Halten der 
Kanal/Lys-Stellung gewonnen werden. General Sixt von Armin befahl 
daher, die Stellungsdivisionen in der Nacht vom 10. zum 11. Juni dorthin 
zurückzunehmen. Die Bewegung hatte unter dem Schutz von Nachhuten zu 
erfolgen, die die III. Stellung besetzten und Vorposten in der bisherigen 
Kampflinie stehen ließen. Den Befehl zum Zurückziehen der Nachhuten 
behielt sich das Armee-Oberkommando ausdrücklich vor. Setzten die Eng- 
länder die Offensive in der bisherigen Richtung fort und führten sie den 
nächsten großen Ansturm aus, bevor die Verteidigung in der Tenbrielen/ 
Flandern-Stellung geregelt werden konnte, so mußte der Angriff in der 
Kanal/Lys-Stellung angenommen werden. Griffen die Engländer jedoch 
erst an, nachdem die gewählte Dauerstellung ausgebaut worden war, so 
war Ausweichen in diese geplant. Verlegte der Gegner aber, was als 
wahrscheinlich angesehen wurde, nunmehr seinen Schwerpunkt nach Norden 
an die Dpern-Front, dann sollte die Kanal/Lys-Stellung weiter gehalten 
werden. 
') Näheres hat sich nicht feststellen lassen. 
2) Beurteilung der Sehnen- und III. Stellung S. 432 und 434. 
Weltkrieg. XII. Band. 30
	        
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.