Kämpfe zwischen der Sehnen- und der III. Stellung.
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weiteren Absehens vom Feinde war sie entgegengetreten'). Nach einer Ve-
sprechung mit General von Kühl beim Armee-Oberkommando am 9. Juni
erließ General Sixt von Armin den dafür grundlegenden Befehl, der sich auf
folgenden Erwägungen aufbaute:
Die Linie, die von den deutschen Truppen zur Zeit gehalten wurde,
war der Längsbestreichung zwar weniger ausgesetzt, als es die I. und
II. Stellung gewesen waren, immerhin lag auch sie von beiden Seiten her
unter flankierendem Artilleriefeuer. Auch sonst war sie, nach Ansicht des
Armee-Oberkommandos, ebenso wie die III. Stellung, nicht geeignet zu nach-
haltigem Widerstand während einer Dauerschlacht^). Es kam dann die
„Kanal/Lys-Stellung" in Frage, die sich am Ostufer des Kanals Npern—
Comines bis Houthem hinzog, dort auf das andere Ufer überging, bei Vas-
Warneton die Lys erreichte und sich dicht östlich dieses Flusses über Deüle-
mont erstreckte. Auch diese Stellung schien nur als Zwischenstellung brauch-
bar zu sein, vor allem wegen der schlechten Artilleriebeobachtung zwischen
Houthem und Warneton. Zur hartnäckigen Verteidigung im Großkampf
geeignetes Gelände lag erst in der Linie Tenbrielen-Riegel, Flandern-
Stellung von Wervieq bis Linselles, Flandern-Riegel bis in die Gegend
südöstlich von Armentieres. Diese Stellung konnte jedoch nicht sofort ein-
genommen werden, da der Ausbau der Tiefenzone und die Vorbereitung der
Abwehr mindestens 14 Tage erforderte. Diese Zeit sollte durch Halten der
Kanal/Lys-Stellung gewonnen werden. General Sixt von Armin befahl
daher, die Stellungsdivisionen in der Nacht vom 10. zum 11. Juni dorthin
zurückzunehmen. Die Bewegung hatte unter dem Schutz von Nachhuten zu
erfolgen, die die III. Stellung besetzten und Vorposten in der bisherigen
Kampflinie stehen ließen. Den Befehl zum Zurückziehen der Nachhuten
behielt sich das Armee-Oberkommando ausdrücklich vor. Setzten die Eng-
länder die Offensive in der bisherigen Richtung fort und führten sie den
nächsten großen Ansturm aus, bevor die Verteidigung in der Tenbrielen/
Flandern-Stellung geregelt werden konnte, so mußte der Angriff in der
Kanal/Lys-Stellung angenommen werden. Griffen die Engländer jedoch
erst an, nachdem die gewählte Dauerstellung ausgebaut worden war, so
war Ausweichen in diese geplant. Verlegte der Gegner aber, was als
wahrscheinlich angesehen wurde, nunmehr seinen Schwerpunkt nach Norden
an die Dpern-Front, dann sollte die Kanal/Lys-Stellung weiter gehalten
werden.
') Näheres hat sich nicht feststellen lassen.
2) Beurteilung der Sehnen- und III. Stellung S. 432 und 434.
Weltkrieg. XII. Band. 30