544 Die Ostfront. — Verlegung des russischen Schwerpunktes.
Stärkere Reserven, um die Lage wiederherzustellen, waren vorwärts des
Stochod nicht zur Hand. So veranlasse der russische Einbruch im Laufe
des Nachmittags den Südflügel der Division zum Ausweichen hinter den
Stochod. Auch drangen Teile des russischen I. Gardekorps am linken Flügel der
ö.-u. 29. Infanterie-Division ein. Abends befahl Generalleutnant von Lütt-
witz für alle bisher noch vorwärts des Stochod befindlichen Teile den Rück-
zug hinter den Fluß. Seine Gruppe stand damit wieder in derselben Linie,
aus der sie am 16. Juni zum Gegenangriff angetreten war. Ihre deutschen
Truppen hatten 2700 Mann und zwei Batterien verloren. Gegen die
Armee-Gruppe Vernhardi unternahm der Gegner nur schwächere
Angriffe. Dabei ging im Stochod-Knie südlich von Kaszowka die am
weitesten vorspringende Nase der Stellung verloren. Noch geringer blieb
die Kampftätigkeit an den nördlich anschließenden Abschnitten.
29.1«n. Am 29. Juli setzte der Gegner seine Bemühungen nur mit verminderter
Kraft und ohne wesentliche Ergebnisse fort. Auf dem rechten Flügel der ö.-u.
4. Armee wurde nach den Erfahrungen des Vortages aus der 108. Infanterie-
Division und dem Korps Szurmay eine neue Gruppe unter General Lih-
mann gebildet. In die Front der Gruppe Lüttwitz wurde die 121. Infanterie-
Division eingeschoben und auch die bisher weiter nördlich bereitgestellte
86. Infanterie-Division hinter diesen offensichtlich am stärksten bedrohten
Abschnitt herangezogen. Bei der Armee-Gruppe Vernhardi warfen an diesem
Tage heftige feindliche Angriffe das ö.-u. II. Korps unter ernsten Verlusten
zurück. General von Vernhardi sah sich genötigt, die immer wieder hinaus-
geschobene Zurücknahme der Front in die Sehnenstellung Porsk—Sitowieze
zu befehlen. Veim Korps Fath wurden russische Anstürme beiderseits der
Eisenbahn vor allem durch Teile der 11. bayerischen Infanterie-Division
abgewiesen. Die Anzeichen für Angriffe gegen den Südflügel der A r m e e -
Gruppe Gronau, wobei der Gegner den Nachschub auf dem Wasier-
wege vorzubereiten schien, mehrten sich und gaben Veranlassung, die wegen
der bedrohlichen Lage bei Brody') inzwischen statt zur ö.-u. 4. zur ö.-u.
2. Armee bestimmte 10. Landwehr-Division von Brest nach Osten abzu-
drehen.
zo. Inn. Am 30. Juli dehnte der Gegner seine Angriffe weiter nach Süden bis
auf die Armee-Gruppe Marwitz aus, hatte aber hier ebensowenig wie an
den übrigen Frontabschnitten Erfolg; bei Zwiniaeze ließ er an 2000 Tote
vor der Front liegen. Bei der Gruppe Vernhardi fühlte er gegen die neuen
Stellungen des ö.-u. II. Korps nur langsam vor. Am schwersten waren
die Kämpfe beim Korps Fath, wo die russische 3. Armee vor allem an der
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