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Die Durchbruchsschlacht von Gorlice.
Hauptangriffspunkte zu unterbinden, wurde die Bekämpfung der Sokol-
Höhe östlich Gorlice und des Pustki durch schwere Artillerie ins Auge gefaßt.
Die eigentliche Sturmstellung sollte erst in der Nacht vor dem Angriff unter
dem Schutze des Artilleriefeuers erreicht werden. Nur die bisher schon
vorgeschobenen Stellungen wurden besetzt und ausgebaut. Der Feind störte
diese Arbeiten nicht.
Im Angriffsabschnitt des österreichisch - ungarischen
VI. Korps lagen zwei das ganze Gelände weithin beherrschende Punkte,
der Pustki-Berg und die Wiatrowki-Höhe. Der Kommandierende General,
Feldmarschalleutnant Arz v. Straußenburg, hatte der auf einen schmalen
Gesechtsstreifen angewiesenen 12. Infanterie-Division die Wegnahme des
Pustki-Berges als Aufgabe gestellt, während die 39. Infanterie-Division
die vor ihrem rechten Flügel liegende Höhe von Wiatrowki angreifen mußte.
Am 30. April bereits wurden die russischen Vorposten in beiden Divisions¬
abschnitten zurückgedrückt, der Nordrand von Luzna und die Höhe von
Strzylawka erreicht, und auch südlich Staszkowka die Gefechtslinie vor¬
verlegt.
General der Infanterie Freiherr v. Plettenberg, der Kommandierende
General des Gardekorps, gab der im Südabschnitt eingesetzten
2. Garde-Infanterie-Division die Höhe 437 südwestlich Staszkowka und den
an der Naht seiner Divisionen gelegenen feindlichen Stellungsvorsprung bei
der Höhe 382 als erstes Hauptangriffsziel. Erst nach Beseitigung der hier
bestehenden Flankierungsmöglichkeiten sollte der entscheidende Angriff gegen
den einspringenden russischen Hauptverteidigungsabschnitt um Höhe 405
durchgeführt werden. Die 1. Garde-Infanterie-Division wurde angewiesen,
sich zunächst des nach Westen vorspringenden Stellungsteiles östlich Tursko,
der Höhe 358, zu bemächtigen, um dann von hier aus die feindliche Stellung
nach beiden Seiten aufzurollen.
Der Führer der österreichisch-ungarischen 4. Armee,
General der Infanterie Erzherzog Joseph Ferdinand, beabsichtigte, zwei
Divisionen seines IX'. Korps beiderseits der Biala und zwei Divisionen
seines XIV. Korps anschließend bis zum Dunajec eng massiert einzusetzen.
Westlich des Dunajec schlossen dann zunächst Landsturmtruppen an. Im
Abschnitt Bogumilowice—Nadlow, wo die Russen noch das westliche Fluß-
ufer hielten, stand, dem österreichisch-ungarischen XIV. Armeekorps unter¬
stellt, die deutsche 47. Reserve-Division. Im anschließenden Raume bis
zur Weichsel wurde aus der 4. Infanterie-Division sowie Landsturmtruppen
ein besonderer Verband unter Befehl des Feldmarschalleutnants v. Stoeger-
Steiner zusammengezogen.
In dieser Gliederung beabsichtigte die österreichisch-ungarische 4. Armee