Die russischen Pläne.
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türkischen Seestreitkräfte gebunden, so daß sich die russische Schwarze-
Meer-Flotte bis zum Vosporus-Cingang vorwagte und die dortigen Be¬
festigungen beschoß. Den Engländern und Franzosen war es zwar nicht
gelungen, den zähen Widerstand der türkischen Truppen zu brechen und, wie
beabsichtigt, bis zu den Küstenbatterien durchzustoßen, so daß der feind¬
lichen Flotte der Weg nach Konstantinopel gesperrt blieb, indessen hatte der
feindliche Landungsversuch die Frage der gesicherten Verbindung mit der
Türkei und damit der Niederwerfung Serbiens in ihrem ganzen Ernst von
neuem vor Augen geführt. So dringlich diese Frage an sich auch war, so
mußte sie doch vorerst zurücktreten vor der Notwendigkeit, den Dingen auf
dem galizischen Kriegsschauplatz eine entscheidende Wendung zu geben.
Die russischen Pläne.
Seit geraumer Zeit sah die russische Heeresleitung mit steigender
Besorgnis der Zukunft entgegen. Sie hatte — wie General Danilow am
12. April in einem Telegramm an die Nordwestfront darlegte — Nach¬
richten, aus denen man schloß, daß einige Infanterie- und drei Kavallerie-
Divisionen des deutschen Heeres im Antransport seien. Man hielt es für
wahrscheinlich, daß die Deutschen starke Kräfte heranschafften, um der russi¬
schen Karpaten-Offensive zu begegnen und hatte „Anzeichen für die Wahr¬
scheinlichkeit eines deutschen Angriffs gegen die Mitte der 3. Armee mit dem
Ziele, die rechte Flanke der russischen Truppen zu treffen, die über den Kar-
paten-Kamm vorgedrungen finb"1). Am so dringender sei die schon be¬
fohlene Abgabe eines Korps, gemeint war das III. kaukasische^), von der
Nordwestfront. Außerdem aber wurde der Großfürst nochmals bei General
Zoffre vorstellig wegen der dauernden Verschiebungen deutscher Truppen
von der französischen an die russische Front. Seit Kriegsbeginn seien,
ungerechnet die Truppen zweiter Linie, 14 Infanterie- und 6 Kavallerie-
Divisionen aus dem Westen nach dem Osten gebracht worden, und neuer¬
dings wieder drei Kavallerie-Divisionen. Ferner lägen Anzeichen vor für
den Antransport weiterer Kräfte. Der Großfürst bat, weitere derartige
Verschiebungen nach Möglichkeit zu verhindern, damit man „mit den Öster¬
reichern Schluß machen" könne.
Am 17. April hatte man im Hauptquartier aber auch beunruhigende
Nachrichten über große deutsche Truppenansammlungen an der ostpreu¬
ßischen Front. Ein Korps und drei Kavallerie-Divisionen sollten bei Marj-
ampol, fünf Korps dahinter bei Insterburg—Königsberg bereitgestellt sein.
1) So bei Vontsch I, S. 93. — Njesnamow II, S. 12/13. — Danilow, S. 465.
2) Vgl. S. 359.