Volltext: Die Befreiung Ostpreußens (2. 1925)

Der Briefwechsel vom Januar 1913. 
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der nach einjähriger Unterbrechung soeben wieder an die Spitze des öster¬ 
reichisch-ungarischen Generalstabes berufen worden war, im Januar 1915 
an General v. Moltke *), er habe in den für Ostpreußen bestimmten deutschen 
Truppen „stets das Minimum jener Kraft erblickt, welche nötig erscheint, 
um die österreichisch-ungarischen Hauptkräste gegen russische Vorstöße aus 
dem Weichselgebiet wenigstens einigermaßen zu entlasten und das Abziehen 
russischer Kräfte aus der Gegend nördlich des Polesje in jene südlich des¬ 
selben, also gegen die österreichisch-ungarischen Kräfte, zu verhindern". 
Im Anschluß daran trat er mit einer neuen Bitte hervor: Er wünschte, 
daß zum Schutze der österreichisch-ungarischen Aufmarschbahn Oderberg— 
Krakau—Tarnow im Kriegsfalle stärkere deutsche Infanterie- und vor 
allem Kavallerie-Teile aus Oberschlesien in das Gebiet nördlich der oberen 
Weichsel vorgehen möchten. Dann aber führte er über die Gesamtlage 
aus: „Sollte es . .. vorerst zu einer Aktion der Monarchie gegen Serbien 
kommen, so würde das Verhalten der Monarchie durch den Moment be¬ 
stimmt werden, in welchem Rußland den ersten feindseligen Akt (also schon 
die Mobilmachung) unternimmt. — Wenn rechtzeitig möglich, würden 
dann alle gegen Rußland bestimmten Kräfte noch gegen Rußland dirigiert 
werden, so daß dorthin 40 Divisionen zur Stelle kämen; wenn jedoch recht¬ 
zeitig nicht mehr möglich, würde getrachtet werden, vorerst einen ent¬ 
scheidenden Schlag gegen Serbien zu führen, um dann erst die freiwerden- 
den Kräfte gegen Rußland zu dirigieren." Das „Mißliche dieses Falles" 
war dem General v. Conrad, wie aus seinen weiteren Darlegungen 
hervorging, völlig klar. 
Als dieses Schreiben aus Wien dem General v. Moltke zur Beant¬ 
wortung vorlag, beschäftigte ihn auch eine vom Generalseldmarschall 
Grafen v. Schliessen unmittelbar vor seinem Ableben verfaßte Denk¬ 
schrift^). Sie gipfelte in der kühnen Forderung, wenn es zunächst nur zum 
Kriege gegen Westen käme, alle Kräfte Deutschlands zuerst dorthin 
zusammenzufassen und im Osten überhaupt keine Feldtruppen stehen zu 
lassen. 
Die Gedanken dieser Denkschrift machte sich General v. Moltke in 
seiner Antwort nach Wien3) zunutze, um dem verbündeten Generalstabs- 
chef nochmals anzudeuten, daß es im Kriegsfälle gelte, die Kräfte gegen 
den Hauptgegner, für Österreich-Ungarn also gegebenenfalls gegen 
Rußland, zusammenzufassen. Er schrieb, eine Zersplitterung der 
’) Ohne Abgangsdatum eingegangen am 11. Fanuar 1913. 
3) Graf Schliessen, inzwischen zum Generalfeldmarschall befördert, starb am 4. Ja¬ 
nuar 1913. Die Denkschrift wurde am 8. Februar dem General v. Moltke übergeben. 
3) Brief vom 10. Februar 1913.
	        
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