Zweites Rapitel.
Die Schlacht in Lothringens.
(Hierzu Karte 4.)
J.Der 20. August.
Seit zwei Lagen waren die fünf Armeen des rechten Flügels und der
Mitte der deutschen Westfront im Vormarsch in Feindesland hinein. Nun
hatte auch für die Heeresteile in den Neichslanden die Feit entsagungs¬
vollen Abwartens ihr Ende erreicht. Der von Führung und Truppe herbei¬
gesehnte Augenblick war gekommen, in frischem Angriffsgeist die Kräfte
mit dem Feinde zu messen.
Auf den Plan, vor den Franzosen bis hinter die Saar auszuweichen,
sie hinter sich herzuziehen und dann von den Flanken aus zu erdrücken, war
bewußt verzichtet worden. Dem Oberkommando der 6. Armee war es
keineswegs sicher erschienen, daß der vorsichtig folgende Feind in die Falle
hineingehen werde. Es war nicht gelungen, über seine Stärke und Absichten
ein genügend klares Bild zu gewinnen. Vielleicht ließ man sich durch unter¬
legenen Feind fesseln, anstatt selbst überlegene Kräfte von der im Norden
erwarteten Entscheidung fernzuhalten. Unter diesen Umständen
schien der Angriff das beste Mittel, um Klarheit zu schaffen.
Durch ihn glaubte das Oberkommando auch am ehesten den Flankenschutz
der eigenen Hauptkräfte zu gewährleisten. Die Truppe war voller Angriffs¬
lust, sie brannte darauf, sich auf den nahe herangekommenen Gegner zu
stürzen. Die zur Umfassung angesetzte 7. Armee hatte in den Vogesen
schon die ersten Erfolge errungen. Man hoffte, daß sie die Südflanke des
Feindes treffen werde.
Der Angriffsbefehl des Kronprinzen Nupprecht, der am 19. August
um 780 nachmittags an die 6. und 7. Armee unter gleichzeitiger Meldung
an die Oberste Heeresleitung ausgegeben wurde, machte dem qualvollen
Zweifeln und Schwanken der letzten Tage ein Ende.
Als Trennungslinie zwischen beiden Armeen wurde Langd (7 km
westlich Saarburg)—Nixingen bestimmt. Das I. bayerische Armeekorps
wurde der 7. Armee unterstellt. Nähere Weisungen an deren Ober¬
kommando ergingen nicht.
’) Geländeabschnitt: Metz—Lunäville—Colmar—Zabern—St. Avold.