Die Kernprobleme des Krieges
Kräfteverhältnis und Kriegs rüstun g
In der Antwort auf die Friedensnote vom 12. Dezember 1916 (Bd. IV,
S. 717) hatte die Entente betont, daß es die Tatsachen verschleiern heiße,
wenn sich die Mittelmächte auf die europäische Kriegskarte beriefen ; ein
richtiges Bild der Kriegslage böte ¡ausschließlich die Weltkarte. Der Viel¬
verband hatte damit die Hand auf das Kernproblem des Krieges gelegt,
das der politischen, militärischen und wirtschaftlichen Kriegführung
während des ganzen Weltringens immer wieder seinen Stempel auf¬
drückte und für die verbündeten Mittelmächte schließlich schicksalhaft
werden sollte.
Schon bei Ausbruch des Großen Krieges standen den von ihren Bundes¬
genossen verlassenen mitteleuropäischen Kaiserreichen zwei Weltmächte,
zwei Großmächte und drei kleinere Staaten gegenüber. Der Bund der
Feinde zählte in Europa zusammen 240 Millionen, samt den Kolonial¬
völkern 665 Millionen Menschen. Im Laufe des Kampfes traten 20 weitere
Staaten an die Seite der Entente, darunter ein Riesenreich von der Größe
und dem Reichtum der nordamerikanischen Union. Von den 150 Millio¬
nen Quadratkilometern festländischen Bodens der ganzen Erde gehörten
zwei Drittel diesem Weltbund an; er umschloß (anderthalb von den zwei
Milliarden Menschen, die unsern Planeten bevölkern. Die Bodenfläche
des durch den Anschluß der Türkei und Bulgariens an die Mittelmächte
entstandenen Vierbundes betrug, wenn man die von Anbeginn verlorenen
Außenposten des ottomanischen Reiches abzieht, höchstens zweieinhalb
Millionen Quadratkilometer, die Einwohnerzahl 150 Millionen. Wenn auch
die gewaltigen Menschenmassen, die in den Ländern des Vielverbandes
zusammengeschlossen waren, nur zum Teil in den Dienst der engeren
Kriegführung traten — man denke etwa an das völlig abseits bleibende
China oder an Brasilien sowie an das vornehmlich auf sich bedachte
Japan —, so ergibt sich doch noch immer ein erschütternd eindrucks¬
volles Bild.
Schon zu Kriegsbeginn wußte sich die Entente dank der Seebeherr-
schung durch England und der einseitigen Einstellung des Präsidenten
der Vereinigten Staaten von Amerika weithin im' Besitze der Reichtümer
der Welt. Das Verfügungsrecht über diese wurde mit zunehmender Er¬
weiterung der Allianz immer freier, die gebotene Möglichkeit, die Mittel-