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Der Hochsommer 1917 an der Südwestfront
Am 5. September fand das grimmige Ringen seine Fortsetzung. Das
LstlR. 32 und zwei Bataillone des IR. 24 von der 43.SchD. schritten
zu neuem Gegenangriff. Auch die Italiener sandten frische Regimenter
in den Kampf. Und beide Artillerien hämmerten weiter. Als es endlich
Abend wurde, zeigte es sich, daß der Kampf an derselben Linie wie
am Vortage zum Stillstand kam. Die Reste des IR. 50 wurden zurück¬
genommen. Da man erkannte, daß der Feind abermals neue Kräfte
heranführte, mußte mit der Fortsetzung des Kampfes gerechnet werden.
Also bat das Divisionskommando, ihm das k. u. LstlR. 6 zur Verfügung
zu stellen. Es war dies das Spitzenregiment der 53. ID., die in diesen
Tagen vom russischen Kriegsschauplatz eintraf. Wie erwartet, setzten
am 6. September morgens in der Tat wieder Massenangriffe ein. Der
Kampf wütete bis zum Abend fort und endete schließlich damit, daß
die Stellungen von den mit bewundernswerter Zähigkeit ausharrenden
Truppen behauptet wurden. Am 7. September setzten die Italiener nur
noch einmal zum Angriff an, der scheiterte. Ihre Artillerie feuerte
jedoch unablässig mit kaum verminderter Heftigkeit weiter.
Gen. Capello mußte sich später bittere Vorwürfe gefallen lassen,
daß er auf dem Mt. S. Gabriele Regiment auf Regiment ins Verderben
geschickt habe. Die Opfer müssen wohl außergewöhnlich groß ge¬
wesen sein. Da das Unternehmen dennoch nicht zum erwarteten Erfolg
geführt hatte, schlug Gen. Capello vor, den hartnäckigen Verteidiger
durch ein unablässig bei Tag und Nacht fortgesetztes Massenfeuer
aller Batterien und Minenwerfer zur Verzweiflung zu treiben und zur
Übergabe zu zwingen. Es sollte ein Feuerkranz um den Berg gelegt
werden, der den Gegner vollkommen einschloß und ihm jede Zufuhr
und Unterstützung unterband1). Obgleich Gen. Cadorna Zweifel hegte,
ob diese ,,Feuerbelage rung" Erfolg haben werde, stimmte er dem Ver¬
suche zu.
Die Berichte des 57. IDKommandos, das die Führung im Abschnitt
trotz Ablösung aller seiner Truppen beibehielt, brachten am 8., 9. und
10. September unter anderem immer wieder den einfachen Satz: das
schwere Feuer halte in unverminderter Heftigkeit an. In diese wenigen
Worte war ein Geschehen gekleidet, das furchtbarer kaum gedacht
werden kann. Eine belebte Schilderung sei hier am Platze 2) : „Tiefblau
1) Capello, Note di guerra, II, 132.
2) Nach Weber, Isonzo 1917 (Klagenfurt), 90. — Eine gut bebilderte Dar¬
stellung bringt auch Hüb n er, Die elfte Sohlacht am Isonzo. 17. August bis S.Sep¬
tember (Wien-Leipzig).