Schwierige Lage bei der Armee Kövess
397
nicht abzusehen. GM. Seeckt bat daher bei der DOHL. um den Zuschub
von Kraftwagenkolonnen.
Die öst.-ung. Heeresleitung hatte indessen das Heeresfrontkom-
mando Erzherzog Joseph am 9. August neuerlich angewiesen, den schwer¬
ringenden Nordflügel der 7. Armee durch das Karpathenkorps zu ver¬
stärken, um zwischen Pruth und Sereth einen durchschlagenden Erfolg
zu erzwingen. Demgegenüber hielt es GO. Erzherzog Joseph für nötig,
die auf das nördliche Serethufer abgezweigten Kräfte (200. ID.) alsbald
wieder freizumachen, um «mit dem Karpathenkorps den Druck südlich
des Flusses fortsetzen zu können. Man hoffte, daß sich dadurch auch
die Russenfront vor der Gruppe Krauss lockern werde. Da aber zu
besorgen war, daß das XVII. Korps einem neuerlichen Ansturm der
Russen erliegen werde, falls der Feind den Pruth entlang vorstoße, ging
nach Baden die dringende Bitte, dem Nordflügel der 7. Armee Ver¬
stärkungen zuzuführen. Dadurch sollte die Sicherheit von Czernowitz
gewährleistet und auch die Wiederaufnahme des Angriffs ermöglicht
werden.
Gdl.Arz antwortete am 12. August dem Erzherzog Joseph, die
Kriegslage gestatte es nicht, an die 7. Armee die erbetenen frischen
Kräfte abzugeben. Nun legte GM. Seeckt in einem nach Baden abge¬
sandten Telegramm seine Auffassung dar, daß durch den Einsatz der
allerdings nur zwei Regimenter zählenden deutschen 1. ID. wohl der
linke Flügel der 7. Armee, das Korps Fabini, entlastet würde. Es müßte
aber dann dem XXVI. Korps ein Raum von über 40 km Frontbreite
überwiesen werden, denn die schwache Gruppe Krauss vertrage keine
Dehnung nach Norden. Gegenüber dem XXVI. Korps befanden sich —
falls es auch den Frontabschnitt der deutschen 1. ID. übernahm — fünf
Russendivisionen, die noch durch das bei Folticeni eintreffende XXXX.
Korps (S. 361) verstärkt werden konnten. Die vom rumänischen König
zum Schutz seines nördlichen Landesteiles eingeleiteten Maßnahmen
(S. 361) wurden allmählich fühlbar. Auch mit dem Einsatz des bei Doro-
hoiu festgestellten II. Kavalleriekorps mußte gerechnet werden. Es war
daher verständlich, wenn GM. Seeckt darauf hinwies, daß das Korps
Horsetzky kaum imstande wäre, einem Angriff dieser starken feind¬
lichen Kräfte standzuhalten. Er meldete der öst.-ung. Heeresleitung,
die deutsche 1. ID. könne erst auf das Nordufer des Sereth verlegt
werden, bis die Wehrstellungen des XXVI. Korps besser ausgestaltet
sein würden.
Gdl. Ludendorff hatte unterdessen am 10. August den Erzherzog