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Der Feldzug von Brest-Litowsk
Raum die Truppen meist auch noch vor Morgengrauen erreichten. Am
4. Juli sollten die Gruppe FML. Roth den Vorstoß fortsetzen und auch
die übrigen Korps der Armee nach Norden Raum gewinnen.
Für die Mitte der deutschen 11. Armee war der 3. Juli gleichfalls
ein schwerer Kampftag geworden; denn die Gruppe Olochow, jetzt 13. Ar¬
mee unter Gen. Gorbatowski, hatte heftige Gegenangriffe gegen das
XXII. R-, das Garde- und das k. u. k. VI. Korps geführt, Angriffe, die
bereits nachts einsetzten und mit beispielloser Erbitterung und mit über¬
raschend großem Munitionsaufwand tagsüber fortgesetzt wurden. Diese
Anstürme — beim Korps Arz waren es allein ihrer sechs — mußten vor¬
erst abgewiesen werden, ehe an ein weiteres Vortragen des Angriffes
— wie es für den 3. Juli befohlen war — gedacht werden konnte. Das
Korps Kneußl war bei Metelin auf stark ausgebaute Stellungen gestoßen
und bereitete sich gleichfalls erst für den Angriff vor. All dies sollte
jedoch vorerst ein unerfüllter Wunsch bleiben.
Nachrichten über die Versammlung starker Feindeskräfte bei Hru-
bieszów und bei Wladimir- Wolynski ließen im Stabe Mackensens die Sorge
um die empfindliche Ostflanke der Heeresgruppe erneut aufleben. Dies
und der hartnäckige, von heftigen Gegenangriffen unterstützte Wider¬
stand, den die Russen auf der ganzen Front dem Vordringen der 4. und
der 11. Armee entgegensetzten, führten beim Heeresgruppenkmdo. einen
Umschwung in der Beurteilung der Lage herbei. In einem am 3. Juli um
6h30 nachm. ausgegebenen Befehle wurden beide Armeen angewiesen, mit
dem Angriffe so lange zu warten, bis die Versammlung der in Verschie¬
bung begriffenen 1. Armee am Bug vollzogen wäre (S. 588).
Diese wichtige Weisung erreichte wohl die Truppen der 11. Armee
rechtzeitig, traf aber beim 4. Armeekmdo. in Godziszów erst am 4. Juli
um 3h3° vorm. ein, zu welcher Zeit sich die unermüdlichen Streiter Roths
schon wieder zur Verfolgung anschickten. Der vom Erzherzog für den
4. ausgegebene Angriffsbefehl wurde denn auch nicht widerrufen, wo¬
gegen die deutsche 11. Armee vorübergehend in die Verteidigung zurück¬
fiel. Um nun der vorwärts strebenden 4. Armee wenigstens die rechte
Flanke zu decken, hatte die Gruppe Emmich noch die Linie Plonka—
Turobin zu erkämpfen und zu behaupten.
Der 4. Juli brachte den seit frühem Morgen angreifenden Regimentern
der 4. Armee vollen Erfolg. Die Divisionen der Gruppe Roth bahnten als
Stoßkeil den Weg nach Norden, warfen die Russen von Linie zu Linie
und trieben sie bis zum Abend über die Höhen beiderseits von Kielcze-
wice und über Wilkolaz zurück.