Klöster und Stifte.
füllung auch Nährboden für epidemische Krankheitserscheinungen veranlaßt wurde. An
unserer Klosterpforte wurde zahlreichen bedürftigen Vaterlands Verteidigern Suppe ver¬
abreicht, Marschbereiten Andachtsgegenstände mitgegeben und nicht selten eine kleine
Spende von Wäsche verabfolgt.
Kloster vom „Guten Hirten66 in Baumgärtenberg (Pflegestätte vom Roten
Kreuze). Es wird uns berichtet: Die in allen Schichten der Bevölkerung, wie auch in
den Klöstern und Stiften unseres Landes, eifrige Betätigung zum Wohle der in diesem
furchtbaren Weltkriege verwundeten Soldaten, fand auch in unseren stillen Räumen
einen Widerhall und wir wollten gleichfalls nach unseren geringen Kräften unser be¬
scheidenes Scherflein beitragen. Mit freudiger Begeisterung richteten wir mehrere Zimmer
unseres Fremdentraktes für Soldaten ein, versahen jedes mit 2 bis 3 Betten, Nacht¬
kästchen, Tischen u. dgl. und boten diese nebst einem Speisezimmer dem Roten Kreuze
zur Verfügung an für 20 rekonvaleszente Mannschaften. Herr Postmeister Sebastian Püh-
ringer erklärte sich bereit, das Amt eines Delegierten des Roten Kreuzes zu übernehmen,
welches er auch in uneigennützigster Weise und bekannter Korrektheit verwaltete. Am
13. Dezember 1914 kamen die ersten 20 Mann und von diesem Tage an war unsere kleine
Pflegestätte beständig besetzt. Alle erhielten daselbst vollstäudige Verpflegung, welche
auf den Gesundheitszustand der einzelnen besondere Rücksicht nahm, Bäder usw. Bei
der Ankunft fand jeder bei seinem Bette neue Wäsche für sich, die er auch nach Ent¬
lassung aus der Pflegestätte nach Bedarf mitnehmen konnte. Die ärztliche Behandlung
übernahm Gemeindearzt Herr Dr. Kahane unentgeltlich. Der Aufenthalt der einzelnen
dauerte 6 bis 8 Wochen, manchmal auch länger, je nachdem es der Gesundheitszustand
erforderte. Während der ganzen Zeit waren mehrere Schwestern mit der Pflege und Be¬
dienung der Mannschaft betraut. Der Klosterseelsorger P. Konstantin Unterhölzer O.Fr.M.
sorgte für passenden Lesestoff und verstand es, den braven Helden manche heitere Stunde
zu bereiten. Gleichzeitig war er bemüht, ihnen öfter einen Labetrunk zu verschaffen, zu
welchem Zwecke er manchen mühsamen Gang auf sich nahm und die Bauern des Ortes
boten auch gern Lebensmittel, Tabak, Zigarren usw. an. Weihnachten sollte für unsere
Krieger ebenfalls ein Freudenfest werden; ein großer Weihnachtsbaum wurde geschmückt,
am heiligen Abende angezündet und jeder einzelne mit nützlichen Gaben bedacht, die
sie unter dem Gesänge eines Weihnachtsliedes in Empfang nahmen. Mehr als einem
glänzten Tränen in den Augen und alle konnten nicht genug Dankesworte finden. Jeder
größere Festtag brachte auch in die kleine Pflegestätte irgend eine unerwartete Freude.
Am 7. Mai 1915 beehrte Ihre k. u. k. Hoheit Frau Erzherzogin Marie Valerie dieselbe mit
ihrem allerhöchsten Besuche, erkundigte sich bei jedem einzelnen nach seiner Verwun¬
dung, nach seiner Familie usw. und überreichte ihnen höchsteigenhändig Zigaretten.
Auch von Seite des Roten Kreuzes wurde von einem höheren Militär die Pflegestätte
inspiziert und die vollste Anerkennung darüber ausgesprochen. Am 10. Oktober 1915
wurde unser kleines Rekonvaleszenten-Heim zu unserem Bedauern aufgelöst. Nach
Schließung unserer Pflegestätte wurde Herr Postmeister Pühringer und die Frau Oberin
Maria Scholastika Heydkamp mit der Silbernen Ehrenmedaille vom Roten Kreuze mit
der Kriegsdekoration ausgezeichnet.
Weihnachtsfeier einer Fliegerabteilung.
X Laurenz Wagner, Altsenior des kath. Gesellenvereines in Enns, jetzt in Sierninj