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Wagen heraus und wieder hineingesprungen, nachdem wir ihn im
Schweiße des Angesichts wieder flottgemacht, wissen die Götter; zwanzig
bis fünfundzwanzig Mal ist es sicher gewesen. Dazu eine sengende
Sonne und häufig inmitten von Beduinen, die, wenn auch den „Ale-
mann!" nicht gerade feindlich gesinnt, doch das siebente Gebot nicht
kennen.
Gegen Mittag mache ich Halt in Zamarin. der jüdischen Ackerbau-
tolonie, und nehme bei dem Dorfältesten den Kaffee ein, umschwärmt
von der Gemeinde. Der Kinderreichtum ist geradezu verblüffend. Als
hätte man Maikäfer vom Baum geschüttelt, so umkrabbelte es mich, klet-
terte in den Wagen und befühlte neugierig mein Gepäck. Diese jüdischen
Kolonisten sind auffallenderweise durchweg Acker- und Weinbauern,
stehen unter dem tatkräftigen Schutz des Baron von Rothschild und
erfreuen sich einer gediegenen Wohlhabenheit, gelten aber in politischer
Beziehung als höchst unzuverlässig.
Weiter geht die Fahrt, vorbei an den Ruinen des alten Cäsarea,
die, durch ein tausendjähriges Nagen des Meeres, vom Lande losgelöst,
heute von der brandenden See umflutet werden. Ich betrete hier den
Boden, auf dem der Apostel Petrus feine öffentliche bekehrende
Tätigkeit begann.
Es kostet noch manchen Tropfen Schweiß, bis ich endlich gegen
Abend die alte Stadt Joppe (Jaffa) erreiche. Ich befinde mich hier auf
uralt-gefchichtlichem Boden. Darüber hinaus aber reichen sich die Hand
altgriechischer Mythus in der Gestalt der A n d r o m e d a, die hier an
den Felsen geschmiedet, von Perseus befreit wurde, mit alttestamentifcher
Legende in der Person des Propheten Jonas, der von Joppe aus zu
Schiff der Mahnung des Herrn, nach Ninive zu gehen, entfliehen wollte
und. dafür über Bord geworfen, erst im Bauche des Fisches zur besseren
Einsicht kam. Man zeigte mir ferner die Stelle, wo das Haus des
Gerbers Simon stand und wo Petrus die Tabea vom Tode er-
weckte.
Ernste Gefahr drohte Jaffa von der See aus. Fast in Sicht des
Hafens kreuzten englische Kriegsschiffe. Wenn irgendwo, so war hier eine
feindliche Landung zu gewärtigen, um für die weiteren Operationen eine
Hafenbasis zu schaffen. Wenige Tage später sollte die Befürchtung zur
Wirklichkeit werden, nachdem die türkische Front bei Gaza zusammen-
gebrochen war. Heute herrschte noch tiefer Friede in der Ebene von
Saron: und wo in Kürze englische Panzerwagen und australische Reiter
die Früchte des Fleißes deutscher Ansiedler in Grund und Boden