Volltext: Ypern 1914 [10] (Band 10/1925)

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Vormarsch begann. Südlich Brügge und östlich Thourout stand das 
XXII. Reservekorps auf dem rechten Flügel der 4.Armee. Nach 
links schloß das XXIII. Reservekorps an, das seinen linken Flügel bis an 
den Westrand von Thielt dehnte. Ihm benachbart marschierte das 
XXVI. Reservekorps geradenwegs auf Roulers und Iseghem zu, 
während auf dem linken Armeeflügel das XXVII. Reservekorps den 
Abschnitt östlich und nördlich von Courtrai als nächstes Vormarschziel vor 
seiner Front hatte. 
Das auf der Verfolgung der Belgier begriffene III. Reservekorps 
hatte vor der Front dieser neuen Armeekorps am 15.Oktober unter 
ständigem Geplänkel mit belgischen Nachhuten die Linie Ostende—Roulers 
erreicht. Agentennachrichten sprschen von einer starken Besetzung Ost- 
endes, das die Belgier anscheinend verteidigen wollten. Gleichzeitig liefen 
von der Heereskavallerie im Räume südwestlich Bpern Meldungen von 
starken feindlichen Ansammlungen ein, die ständig von St. Omer, Haze- 
brouck und Dünkirchen aus vermehrt wurden. Auf dem Meere bei Ost- 
ende erschienen drei englische Kreuzer. General von Beseler plante 
für den 15. Oktober eine starke Beschießung Ostendes durch schwere 
Artillerie und einen Vorstoß der 6. Reservedivision auf Thourout. Beide 
Unternehmungen mußten abgesagt werden, als am Mittag der Befehl 
eintraf, das Korps Beseler sei der neuen 4.Armee unterstellt und 
habe bis zu weiter ergehenden Befehlen des Armeeoberkommandos die 
erreichte Linie nicht zu überschreiten. 
Noch am Nachmittage des 15. Oktober berichteten flüchtende Ein- 
wohner, die Belgier hätten Ostende in südwestlicher Richtung verlassen. 
Vorgeschobene Patrouillen bestätigten die Nachricht, die Stadt wurde 
kampflos befetzt. Die Fühlung mit dem abziehenden Gegner ging ver- 
loren. Vor Thourout gerieten einige Teile der 6. Reservedivision in ein 
lebhaftes Gefecht mit belgischen Panzerautomobilen. Nach kurzer Zeit 
verschwand aber auch hier der Feind. General vonBeseler war sehr 
wenig erfreut, daß ihm der Befehl zum Anhalten die Berührung mit 
dem weichenden Gegner raubte und drängte die neue vorgesetzte Stelle 
zu raschen Entschlüssen. 
Am frühen Morgen des 16. Oktober war der Befehl des Herzogs 
Albrecht von Württemberg da. Er bewies, daß die deutsche 
Führung noch keinerlei Kenntnis von den umfassenden feindlichen An- 
griffsvorbereitungen hatte. Beide Gegner, Herzog Albreckt von 
Württemberg und General French, tasteten noch völlig im 
Dunkeln und handelten beiderseits im Glauben, einen nicht allzu starken
	        
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