Volltext: Ypern 1914 [10] (Band 10/1925)

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Das waren die Massen, mit denen F r e n ch den entscheidenden Stoß 
zu führen gedachte. Sie umfaßten von Armentieres bis zur Küste acht 
kriegsstarke, mit allen Mitteln und reichlicher Artillerie ausgerüstete 
Armeekorps, verstärkt durch zahlreiche Kavalleriedivisionen. Vis zum 
letzten Trainsoldaten herunter wußte jeder, daß es hier die Entscheidung 
des Krieges galt. Das Wetter war günstig. Die Nachricht von den ersten 
vor Ostende eingetroffenen englischen Kriegsschiffen und die Gewißheit, 
daß sich vor der alliierten Front nur schwache deutsche Kräfte befanden, 
die zu den Antwerpener Belagerungstruppen gehört hatten, hoben die 
Stimmung der Angreifer bis zur Siegesgewißheit. 
Noch war F r e n ch s Aufmarsch nicht vollendet, als am 18. Oktober 
überlegene englische Kavalleriekräfte bei Roulers eine deutsche Radfahrer- 
Patrouille umzingelten und gefangen nahmen. Die Gefangenen wurden 
zum Hauptquartier gebracht. Ihre Regimentsnummern waren bisher 
ganz unbekannt. Aus aufgefundenen Papieren und Notizen erfuhr 
F r e n ch mit jäher Erkenntnis von einem vollendeten Aufmarsch und 
einem für morgen zu erwartenden Angriff einer aus fünf Armeekorps 
bestehenden neuen deutschen Armee! 
Woher kamen die unendlichen feldgrauen Kolonnen, die singend, in 
fröhlichen Märschen, Helme und Gewehrläufe geschmückt mit grünen 
Zweigen, tagaus tagein von Osten gen Westen durch Belgien hindurch 
nach der flandrischen Ebene zogen? Woher rollten die Züge auf 
allen Bahnstrecken südlich Brüssel, die in schier endlosem Reichtum Men- 
schen und Kanonen von sich gaben und den kerzengrade sich streckenden, 
mit riesigen Pappeln umsäumten Straßen Flanderns anvertrauten? 
Was war dies für ein graues, lustiges Gewimmel auf den Biwakplätzen 
und auf den Märkten der weit auseinandergezogenen vlämifchen Dörf- 
lein? Wer leitete an unsichtbaren Fäden diese unheimlichen Bewegungen, 
die das Land anfüllten mit Staubwolken und klirrenden Schritten und 
dem dumpfen Raffeln der stählernen Fahrzeuge? Welcher Wille be- 
herrschte diese Massen, die, den Blick erwartungsvoll gegen Westen ge- 
kehrt, nicht schnell genug die unberührten Gegenden hinter sich bringen 
konnten, begierig den ersten Tag des Zusammenstoßes errechnend? 
In ungezählten Reihen zu vieren rückten die Kompagnien an, reihten 
sich zu Bataillonen, zu Regimentern, zu Divisionen. Bärtige Männer 
mit dem kühlen Blick der Lebenserfahrung marschierten neben Knaben
	        
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